Perspektiven
Pflanzen in der Stadt

Stadtpflanzen

Urban Gardening heißt der grüne Trend, der seine Wurzeln in New York hat. Heute bauen Millionen Menschen auf der ganzen Welt Blumen, Obst und Gemüse im öffentlichen Raum an.

Städter mit grünem Daumen, die in Gemeinschaftsgärten Obst und Gemüse pflanzen – früher ein Randphänomen, mittlerweile ein weltweiter Megatrend: „Urban Gardening“. Wie kommt das und wohin geht die Entwicklung?

Die ersten Stadtgärten gab es in New York. In den 1970er-Jahren war die Lower Eastside im Süden von Manhattan eine Gegend mit vielen heruntergekommenen Häusern. Das inspirierte die Künstlerin Liz Christy und ihre Freunde: Sie krempelten die Ärmel hoch, entrümpelten eine Grünfläche und bepflanzten sie neu. Zunächst waren die Bäume, Blumen und Beete illegal. 1974 genehmigte die Stadt diese Nutzung als “Bouwery Houston Community Farm and Garden” für die symbolische Miete von einem Dollar pro Monat. Noch heute kann man den Garten besuchen. Liz Christy trug ihre Idee weiter – mit kleinen Pflanzbomben, mit Blumensamen gefüllte Erdklumpen, die sie als sogenannte Guerilla Gärtnerin über Zäune und auf öffentliche Grünflächen warf. Über 500 „Community Gardens“, gemeinschaftlich genutzte Freiflächen, gibt es in New York mittlerweile – dank des städtischen GreenThumb-Programms. Es ist das größte Förderprojekt für freiwillige Stadtgärtner in den USA.

In Workshops geben die Gärtner ihr Wissen weiter: Vom Hühnerhalten bis hin zum Einwecken reicht das Angebot. Das Programm trägt Früchte: Die Grünflächen schaffen Erholungsraum, reinigen die Stadtluft, sorgen für Pflanzenvielfalt und fördern den Austausch und das Wohlbefinden der Beteiligten.

Urban Gardenings

Früher fand man Grünes in den Städten vor allem in Parks und auf Rasenflächen, in privaten Gärten oder in Kleingartensiedlungen. Heute gibt es Blumen an Straßenrändern, berankte Hausfassaden und Hochbeete auf Industriebrachen. Immer mehr private Initiativen und Nachbarschaftsprojekte pflanzen gemeinsam an, oft finden sich oft Hunderte Gärtner zusammen.
Diplom-Ingenieurin und Stadtplanerin Ella von der Haide forscht an der Universität Kassel zu Themen wie Urbane Gärten, Gemeinschaftsgärten und Stadternährung. „Viele sehen urbane Gärten als Möglichkeit, sich im öffentlichen Raum stärker einzubringen und mitzugestalten.“ Im Laufe der letzten Jahre hat von der Haide etliche Filme über Menschen und Projekte rund ums Stadtgärtnern gedreht – in Buenos Aires ebenso wie in Kapstadt oder Berlin. 

Eines der bekanntesten Urban Gardening-Areale in Deutschland sind die Prinzessinnengärten in Berlin/Kreuzberg. Am Moritzplatz fügt sich Beet an Beet. Ausschließlich Nutzpflanzen, lokal und ökologisch, rund 500 Sorten sind es insgesamt. 2009 begannen der Filmemacher Robert Shaw und der Historiker Marco Claus damit, eine blühende Oase für jedermann zu schaffen. In Plastikkörben, Säcken und alten Waschwannen wachsen Kartoffeln, Knoblauch, Möhren und Kürbisse. Im mobilen Nachbarschaftsgarten mit angeschlossenem Café, im Restaurant und der Nachbarschaftsakademie arbeiten über hundert Freiwillige. Dabei sind die Prinzessinnengärten kein Sozialprojekt, sondern eine Geschäftsidee, von der alle profitieren sollen. Über 2.000 Euro Miete zahlt das gemeinnützige Unternehmen „Nomadisch Grün“ an die Stadt Berlin, das muss erst mal erwirtschaftet werden. „Uns ging es nie ums Landleben", sagt Shaw in dem Dokumentarfilm „Eine andere Welt ist pflanzbar!“, „uns treibt eine Stadtsehnsucht."

Prinzessinnengärten

Und wie werden öffentliche Grünflächen in 50 Jahren aussehen? „Das hängt sehr davon ab, wie sich Gesellschaft, Ökonomie und Klima weiterentwickeln“, meint Expertin Ella von der Haide. „Aufgrund der Parameter, die wir jetzt kennen, sind unterschiedliche Szenarien denkbar. Wenn sich ökologische Ideen durchsetzen, werden städtische Grünflächen noch intensiver und vielfältiger genutzt. Schon in zehn Jahren, denke ich, wird es auf jeden Fall viel mehr Nutzpflanzen wie Obst-, Nussbäume oder Beerensträuche und Urban Gardening-Projekte geben als heute. Das zeigen Vorreiter wie Paris, Toronto und New York.“

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Das Netzwerk Grünanteil bringt Menschen zusammen, die Natur in der Stadt erleben und gestalten wollen:

www.gruenanteil.net

Wie wachsen eigentlich Karotte, Tomate und Co.?

Die BayWa Stiftung unterstützt mit dem Schulgartenprojekt „Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten“ die Ernährungserziehung von Kindern an Grundschulen in Deutschland. Schülerinnen und Schüler legen gemeinsam mit dem Team der BayWa Stiftung und ihren Lehrern Beete mit verschiedenen Gemüsesorten an, pflegen die Pflanzen das ganze Jahr hindurch und bereiten aus der frischen Ernte gesunde Snacks und Mahlzeiten für die Schulpausen zu. Die BayWa Stiftung begleitet gemeinsam mit Ernährungspädagogen die Schulen und weckt die Begeisterung der Kinder für Karotte und Co. Seit 2013 können sich Grundschulen um die Teilnahme bei diesem Projekt bewerben. Bisher gestalteten Schülerinnen und Schüler an rund 120 Schulen ihren eigenen Schulgarten. Ergänzt wird dieses Projekt mit dem Buch „Der Ernährungskompass“, das Lehrer bei der kindgerechten Vermittlung von Ernährungswissen an Grundschulen unterstützt.

www.baywastiftung.de