Perspektiven
Über den Tag hinaus
Wald

Die grüne Lunge atmet

Andere Länder – andere Bäume: Es wird WIEDER WALD gepflanzt. Denn Bäume schützen vor Erosion, sichern die Artenvielfalt der Tiere und binden Kohlendioxid. Das ist gut gegen den Klimawandel.

Vom schönsten Tag im Leben bleibt in China mehr als nur das Hochzeitsfoto. In weißem Kleid und edlem Anzug steht ein Brautpaar im Park in Peking; mit einem Spaten schaufeln die Frischvermählten ein Loch in den Boden und setzen glücklich einen kleinen Ginkgo ein – als Erinnerung an den Hochzeitstag. Nun kann der Trieb wachsen und globale Bedeutung bekommen. Denn die Volksrepublik errichtet eine „Grüne Mauer“ – gegen die Versandung des Landes und zur Verbesserung der Luftqualität. Bis 2050 will China 350.000 Quadratkilometer Wald gepflanzt haben – eine Fläche so groß wie Deutschland.
In Peking waren Hochzeitspaare, Abiturienten und Studenten, die zur bestandenen Abschlussprüfung in Peking ein Bäumchen pflanzen, bereits sehr erfolgreich: Nach Angaben des Pekinger Begrünungs-Komitees (Beijing Greening Committee) wurden in Chinas Hauptstadt seit 1981 insgesamt 197 Millionen Bäume gepflanzt. Fast 88 Prozent dieser Bäume haben überlebt. 2014 betrug der Waldanteil in der chinesischen Hauptstadt 41 Prozent; auf jeden Bürger kamen damit etwa 16 Quadratmeter öffentliche Grünfläche. Im Vergleich dazu: Berlin hatte im Jahr 2011 einen Zielwert von sechs Quadratmetern pro Einwohner.
Szenenwechsel: Mindelzell in Bayerisch-Schwaben. Wo noch vor einem Jahr eine grüne Wiese war, wachsen jetzt etwa Traubeneichen und Buchen. „Wir stabilisieren die Fichtenwälder mit anderen Baumarten“, erklärt Revierleiter Hubert Forstner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Krumbach. Dabei setzt er im Gebiet mit vielen kleinen Privatwäldern auf die Unterstützung der Besitzer. Christine Miller hat mit ihrer Familie eine der Parzellen wieder aufgeforstet. Sie meint: „Man kann doch nicht nur Bäume abholzen, man muss auch für die Zukunft wieder etwas anpflanzen.“ Lange war die Wiese als Wildacker an Jäger verpachtet, vergangenes Jahr hat die Familie rund 3.000 Bäume – vor allem Traubeneichen und Bergahorn – gepflanzt. „Wir denken dabei nicht kurzfristig an den Nutzen, dafür wachsen die Bäume ja viel zu langsam“, sagt Christine Miller, „wir – und das meint wirklich unsere ganze Familie – engagieren uns gegen den Klimawandel und für die Umwelt, auch wenn wir mit diesem Stück Land mehr Arbeit haben als zuvor.“

Mit der Aktion „Gute Energie“ unterstützt die BayWa die Aufforstung in Deutschland. Denn die hiesigen Wälder sollen wieder bunter werden. Derzeit machen Fichtenwälder 34 Prozent der Waldfläche aus. Gegenüber solchen reinenNadelwäldern haben Mischwälder viele Vorteile: Sie bieten mehr Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und sind robuster gegenüber Schädlingen, Stürmen und Klimaveränderungen. Die Fichten in Mindelzell bei Krumbach bekommen in Privatwäldern auf einer Fläche von 150 Hektar Gesellschaft von Traubeneichen, Buchen und Bergahorn wie bei Millers – so wird der Wald fit für die Zukunft. „Fichtenwälder sollen nicht plattgemacht werden“, sagt Revierleiter Hubert Forstner. „Wir wollen gemeinsam vitale und stabile Wälder heranziehen.“
Auch in Haar bei München haben Schüler des als Umweltschule ausgezeichneten Ernst-Mach-Gymnasiums seit 2009 mit Unterstützung des staatlichen Forstamts bereits knapp 5.000 Setzlinge im Gemeindegebiet gepflanzt. Sie engagieren sich im Rahmen der internationalen Kampagne Plant-for-the-Planet, die der damals neunjährige Felix Finkbeiner 2007 gegründet hat. Weltweit wurden in den vergangenen acht Jahren so mehr als 13 Milliarden Bäume gepflanzt. Und 34.000  Botschafter für Klimagerechtigkeit im Alter von neun bis zwölf Jahren tragen ihre Nachricht in die Welt: Wälder schützen die Erde und sichern das Klima.

Traubeneiche, Deutschland

Die grüne Lunge der Erde speichert dauerhaft etwa 0,7 bis 2,1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff; ein Hektar tropischer Wald bindet rund 15 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Doch noch immer wird zuviel Wald abgeholzt: 1.200 Quadratkilometer waren es 2013 allein in Kolumbien. Zum Klimaschutz haben sich in Lateinamerika sieben Staaten im Dezember 2014 mit dem Plan „20x20“ verpflichtet, bis zum Jahr 2020 fast 20 Millionen Hektar Wald wieder aufzuforsten. Chile, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Peru greifen dazu auf private Investitionen in Höhe von 365 Millionen US-Dollar zurück. Im Gebiet der guatemaltekischen Gemeinde „Arroyo Yaxchilán“, die zum drittgrößten Regenwald-Nationalpark Guatemalas „Sierra del Lacandón“ gehört, wurden bereits vor dieser Vereinbarung 30 Hektar mit über 22.000 einheimischen Bäumen bepflanzt. Auch wenn es im ersten Moment nur wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein wirkt, so ist entscheidend, dass gerade die Bewohner Latein- und Südamerikas umdenken. Nur so kann die Artenvielfalt erhalten werden: Im Regenwald-Nationalpark „Sierra del Lacandón“, den Biologen zum Hot Spot der Biodiversität erklärten, wachsen auf einem Hektar 100 bis 200 verschiedene Baumarten.
Auch auf der Nordhalbkugel wächst wieder mehr Wald. Die Zahlen zeigen es: In Ostasien kamen von 2000 bis 2010 jährlich im Schnitt etwa 2.781.000 Hektar dazu; in Europa waren es 694.000 und in Nordamerika rund 188.000 Hektar – so atmet die grüne Lunge wieder.

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Wieder aufgeforstet

Unter dem Motto „Gute Energie“ fördert die BayWa fünf Projekte. In Mindelzell bei Ursberg und in Oberroth im Illertal werden auf 400 Hektar zusätzlich zu den Fichten jetzt Traubeneichen, Buchen und Tannen gepflanzt. Das macht den Wald vitaler und resistenter gegen Krankheiten sowie Käferbefall. Am Grünten, am Immenstädter Horn und im Waldgebiet Sonnenköpfe in Sonthofen und Oberstdorf erhält der Wald auf insgesamt knapp 5.500 Hektar durch die Aufforstung seine Schutzfunktion zurück, die durch Überalterung, Sturm und Käferbefall verloren gegangen ist. In Sachsen schützen die neu gepflanzten Bäume gefährdete Gebiete vor Hochwasser – und das neueste Projekt ist für Baden-Württemberg angedacht.

„Rund 3.000 Bäumchen haben wir auf unserer Wiese in Hanglage angepflanzt. Das macht natürlich viel Arbeit. Aber wir denken an die Zukunft unserer Wälder!“
Christine Miller, Waldbesitzerin