Panorama
Über den Tag hinaus
Kochen mit Kindern

Zukunft gestalten

Noch nie zuvor mussten weltweit so viele Menschen ihre Heimat verlassen. Es gilt, ankommende Schutzsuchende in die Gesellschaft zu integrieren. Dafür setzen sich auch zahlreiche Unternehmen ein.

Flucht und Vertreibung – 2015 haben weltweit rund 65 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen, berichtet das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR: so viele wie nie zuvor. In Europa sind vergangenes Jahr knapp 4,4 Millionen Schutz­suchende angekommen und in Deutschland wurden 441.900 Asyl­anträge gestellt – gut zweieinhalb Mal mehr als in den in diesem Zusammenhang auf Platz zwei stehenden USA. Nur etwa zwei Prozent der Antragsteller gaben an, Kenntnisse in Deutsch zu haben. Dabei gilt gerade die Sprache als Basis für die I­ntegration. „Neu zugewanderte Erwachsene haben aufgrund der unzureichenden Sprachkenntnisse im Deutschen nicht von Beginn an Zugang zum gesellschaftlichen Geschehen und sind somit oft in ihrem Handeln eingeschränkt“ so Dipl. Päd. Hosay Adina-Safi, wissenschaftliche M­itarbeiterin am Institut für Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg. „Für die Integration ist es grundsätzlich wichtig, dass sich Menschen, die eine Gemeinschaft bilden sollen, begegnen und dieser Kontakt für ein Miteinander sorgt. Dabei können Vorurteile abgebaut und Differenzen überbrückt werden.“ Es gilt also, geflüchtete Menschen aktiv in die Gemeinschaft einzubeziehen – und bei dieser Aufgabe sind alle gefragt: die Politik, Gesellschaft, Institutionen ebenso wie Unternehmen.

Bundesweit engagiert sich beispielsweise das „NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge“, eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): Ihr Ziel ist unter anderem, Firmen Ideen und Wege aufzuzeigen, wie sie sich für Flüchtlinge einsetzen können, etwa mit Praktika, Ausbildung und Beschäftigung. Auch auf regionaler Ebene gibt es zahlreiche Beispiele: So hat etwa vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, das Programm IdA – Integration durch Ausbildung und Arbeit – ins Leben ­gerufen. Dieses wird von der BayWa AG unterstützt. Darüber hinaus engagiert sich die BayWa Stiftung aktiv die Integration von Schutzsuchenden.

Um sich für das Ankommen in unserer Gesellschaft einzusetzen, veranstaltete die BayWa Stiftung den Begegnungstag „Gemüse pflanzen – Integration fördern“. Gemeinsam legten zwei syrische Familien, Studenten und weitere Helfer Hochbeete für einen Gemüsegarten an, spielten und kochten gemeinsam. Eine Aktion, die ankam: „Besonders die Kinder hatten an diesem Tag viel Spaß“, berichtet Ahmed Ibrahim. Er flüchtete mit seiner Familie aus Alhasaka im Nordosten von Syrien aus einem vom IS kontrolliertem Gebiet: erst in die Türkei, anschließend mit einem Boot über die Ägäis nach Griechenland und über die Balkanroute nach Österreich – und dann nach Deutschland. Das jüngste der fünf Kinder wurde auf der Flucht in Griechenland geboren. „Wo wir lebten, ist heute alles zerstört, die Geschäfte, die Schulen, die Krankenhäuser. Unser Leben war ständig bedroht.“ Ähnlich erging es Zaloch Gadro. Sie verließ mit ihrem Mann und den drei Kindern den kleinen Ort Afrin, in der Nähe des völlig zerstörten Aleppo. „Wir hatten jeden Tag Angst, von Bomben oder Raketen getroffen zu werden.“ Als sich die Familien auf den Weg wagten, wussten sie, dass Deutschland ein sicheres Land ist und sie dort nicht um ihr Leben fürchten müssen. Mit dem Aktionstag sind sie nun ein klein wenig mehr hier angekommen: Mit dem gemeinsamen Tag ist es gelungen, kleine Brücken zu schlagen zwischen der syrischen und deutschen Lebens- und Essenskultur. Durch die Erfahrungen, die die syrischen Familien nun beim Pflanzen, Pflegen und Ernten von Gemüse und Obst machen, lernen sie auch einheimische Nahrungsmittel besser kennen. Beide Elternpaare haben übrigens denselben Wunsch: Sie wollen so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen und arbeiten.
Um eine Anstellung oder einen Praktikumsplatz zu finden, ist dies eine der wichtigsten Voraussetzungen. Schließlich müssen Mitarbeiter Informationen wie zum Beispiel Sicherheitsanweisungen überhaupt verstehen können.

Im Team kochen
Download PDF
Derzeit liegen noch nicht genügend Bewertungen vor.
Bewertung abgeben
Hosay Adina-Safi

Dipl. Päd. Hosay Adina-Safi ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg beschäftigt. Sie sagt: „Gerade Unternehmen mit internationaler Ausrichtung haben langjährige Erfahrung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der ganzen Welt. Sie schaffen es, mit guten Diversity-Konzepten positiv mit Vielfalt umzugehen, die für sie normal ist.“

Ein ausführliches Interview mit Hosay Adina-Safi finden Sie hier.

Integration fördern

Die BayWa AG bietet Praktika und Ausbildungsplätze, etwa für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Außerdem unterstützt die BayWa das Programm IdA – Integration durch Ausbildung und Arbeit. Auf regionaler Ebene arbeiten hier Ausbilder und junge Zuwanderer zusammen. In vielen Berufen fehlen in Deutschland Auszubildende und Fachkräfte, daher bedeuten Zuwanderer eine Chance für die Wirtschaft. Unabdingbar für eine Tätigkeit sind natürlich ausreichende Sprachkenntnisse. Dafür engagiert sich auch die BayWa Stiftung: Menschen, die in der Notunterkunft in Hammelburg angekommen sind – einem ehemaligen Haustechnik-Betrieb der BayWa AG – haben hier zum Beispiel Sprachkurse besucht. Weitere Sprachkenntnisse und spezielles Wissen für den Start in die Beschäftigung bietet außerdem die Bildungsinitiative für unbegleitete junge Flüchtlinge „Fit für den Arbeitsmarkt“, welche die BayWa Stiftung ebenfalls unterstützt.

Jetzt Newsmail abonnieren und gewinnen!

Melden Sie sich im Zeitraum vom 1. bis 28. Februar 2018 für die Newsmail von 75|60° an und bleiben Sie immer aktuell informiert. Unter allen Anmeldungen verlosen wir als Hauptpreis ein

Trikot des FC Bayern München Basketball.

2.-100. Preis: Praktische BayWa-Schlüsselbänder


Jetzt 75|60° Newsmail abonnieren