Panorama
Über den Tag hinaus
Dipl. Päd. Hosay Adina-Safi

„Neu Zugewanderte brauchen gute Bildungsmöglichkeiten, ganz gleich, wohin sie ihr Weg führt.“

Drei Fragen an Dipl. Päd. Hosay Adina-Safi: Die wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Institut für Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg erläutert, wie Schutzsuchende in unserer Gesellschaft ankommen können und wie wichtig dabei Begegnungen sind.

Unsere Gesellschaft ist dadurch geprägt, dass man sich im Idealfall aktiv einbringt und sein Umfeld mitgestaltet. So funktioniert gemeinschaftliches Miteinander, sei es in der Nachbarschaft, im Sportverein, im Ehrenamt oder auch im beruflichen Umfeld. Neu zugewanderte Erwachsene haben diese Zugänge nicht von Beginn an und sind in ihrem Handeln oft aufgrund der nicht ausreichenden Deutschkenntnisse eingeschränkt. Zu warten, bis sie ihre Deutschkenntnisse so weit ausgebildet haben, dass sie dann in berufliche Maßnahmen eingegliedert werden können, bedeutet oft viele Jahre Wartezeit. Es wäre daher von großem Vorteil, Programme zu entwickeln, in denen das Deutschlernen parallel zur Chancennutzung auf dem Arbeitsmarkt geschieht. Zugänge zu Praktika, Ausbildungen, Umschulungen oder Weiterbildungen gehen einher mit Beratung und Begleitung der Geflüchteten, so dass man an bestehende Kenntnisse, Fähigkeiten und Interessen anknüpfen und eine Orientierung geben kann.

Es ist immer wichtig, wenn Menschen, die zusammen eine Gemeinschaft bilden und gestalten soll, einander auch begegnen. Mit einer Begegnung allein ist aber noch nichts getan, vielmehr müssen Begegnungen für ein Miteinander sorgen. Vorurteile können abgebaut werden, ein besseres Kennenlernen auf menschlicher Ebene kann stattfinden, Differenzen können überbrückt werden.
Wichtig ist dabei, dass fremdenfeindliche oder paternalistische Ansichten thematisiert und argumentativ aus der Welt geschaffen werden müssen. Wir leben in einer Zeit, in der jeder jederzeit und überall als nicht zugehörig zu einer bestimmten Gruppe abgestempelt werden kann und wir müssen lernen, dass sich niemand wohlfühlen kann, wenn er oder sie diskriminiert wird.
Auf Unternehmensebene können Arbeitsgemeinschaften gebildet und von den Leitungen gefördert werden, um innerhalb des Unternehmens eine offene Kultur mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu etablieren. Dazu können sportliche Aktivitäten, gemeinsame Ausflüge oder unternehmenseigene Sprachförderkurse gehören. Gerade Unternehmen mit internationaler Ausrichtung haben langjährige Erfahrung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der ganzen Welt und schaffen es mit guten Diversity-Konzepten, positiv mit Vielfalt umzugehen, die für sie Normalität ist.

Gemeinsame Aktivitäten, positive Begegnungen und – im Falle von Vorurteilen – die Erkenntnis, dass diese nicht bestätigt werden, führen dazu, Verständnis für die Lebenswelt des anderen zu entwickeln, den oder die man vielleicht bisher nicht wahrgenommen hat. Selbst wenn man von kulturellen Unterschieden ausgeht, so lassen sich viele Aspekte im Kontext am besten erklären und kommen einem dann auch gar nicht mehr so unverständlich vor.
Wertschätzung im Allgemeinen zu fördern, Unterschiede nicht im Negativen herauszustellen, dies sind nachhaltige Investitionen, die auch für die Kultur eines Unternehmens bedeutend sein können.

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Zur Person

Dipl. Päd. Hosay Adina-Safi ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg beschäftigt. Als Kind verließ sie mit ihren Eltern Afghanistan und ist in Deutschland aufgewachsen.

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