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Grünes Gold ernten

Grüner Spargel – gesund, kalorienarm und gefragt. Das zügig wachsende Gemüse ist aber auch empfindlich und macht dadurch den Handel zur logistischen Herausforderung.

Es ist Nacht in Australien. Doch auf einem riesigen Spargelfeld in der Region Cardinia, südöstlich von Melbourne, wird gearbeitet. Mit langen Messern schneiden Erntehelfer grünen Spargel über der Erde ab, während ihre Kollegen bereits die ersten Kisten auf einen Lkw laden. Alle sind froh, nicht in der heißen Mittagssonne auf dem Feld stehen zu müssen, und auch der empfindliche Spargel hat es lieber kühl. Er wird direkt gewaschen, gekühlt, verpackt und verladen. Vieles ist hier noch Handarbeit. Auch wenn moderne Techniken wie Sortier- und Verpackungsanlagen eine große Hilfe sind – die Ernte läuft also nicht wesentlich anders ab als vor 2.000 Jahren. Vermutlich verbreiteten die Römer den Spargel mit ihren Feldzügen in Europa. Der weiße Verwandte, der komplett unterirdisch reift, kam dann erst im 19. Jahrhundert auf.

Heute wird grüner Spargel als Gemüse gehandelt, das dem Bedürfnis vieler Menschen nach einer ausgewogenen Ernährung entgegenkommt. Grüner Spargel reift oberirdisch, während weißer Spargel gestochen wird, bevor er die Erdoberfläche durchstößt. Durch das Sonnenlicht bildet der grüne Spargel noch mehr Vitamine aus und schmeckt aromatischer. Er ist unter anderem reich an Vitamin A, B1, B2, C, E, K, Phosphor und Kalzium, Kalium und Folsäure. Außerdem sorgt seine entwässernde Wirkung dafür, dass vermehrt Gift- und Schlackenstoffe ausgeschieden werden. Der typische Geruch nach einer Spargelmahlzeit entsteht dabei durch die Asparagussäure. Dieser Aromastoff wird durch ein Enzym gespalten, das allerdings nicht jeder Mensch besitzt.

Zurück zum frisch geernteten Spargel, dem letzten der australischen Saison, die gerade geendet hat. Welcher Weg jetzt vor ihm liegt, hängt vom Ursprungsland ab. Die wichtigsten Anbauländer sind Australien, Neuseeland, Mexiko und Peru. Von Australien aus landet das Gemüse zum Beispiel schnell auf dem asiatischen Markt, weil es viele Direktflüge gibt. Vom Feld bis zum Supermarktregal vergehen in der Regel nur drei Tage. Das ist wichtig, weil Spargel frisch auf den Tisch kommen muss, damit Geschmack und Qualität nicht leiden. Handelsunternehmen müssen die Logistik also akribisch planen und bei Problemen schnell reagieren. Das kann eine große Herausforderung sein, denn zum Beispiel von Peru nach Asien gibt es kaum Flüge ohne Zwischenstopps. Außerdem darf die Kühlkette keinesfalls unterbrochen werden.

International werden viele verschiedene Varianten grünen Spargels angebaut, am häufigsten ist die Sorte UC157, die in Amerika gezüchtet wurde. Das heißt aber nicht, dass sie immer gleich schmeckt. Das Aroma ist auch von den Wachstumsbedingungen abhängig wie dem Wetter und der Bodenbeschaffenheit. Handelsunternehmen müssen zudem die Vorlieben in unterschiedlichen Ländern berücksichtigen. In Asien gibt es beispielsweise seit ein paar Jahren den Trend zu XL- oder Jumbo-Spargel.

Grüner Spargel liegt übrigens inzwischen das ganze Jahr über an der Gemüsetheke. Die Globalisierung macht es möglich. In Deutschland kann das Gemüse ab Mitte April geerntet werden, Schluss ist traditionell am Johannistag, dem 24. Juni. In Peru wird er in der zweiten Jahreshälfte geschnitten, im Dezember ist die Saison vorbei. In Australien hingegen erstreckt sich die Erntezeit von Anfang September bis in den April. Diese langen Zeiträume kommen durch die Wachstumseigenschaften des Spargels zustande. Bei Spargelpflanzen handelt es sich nämlich um mehrjährige Stauden, die tiefe Wurzeln bilden. Die über­irdischen Teile dieser Liliengewächse sterben im Herbst ab. Im Frühjahr schießen dann neue Triebe aus dem Boden – die uns bekannten Spargelstangen. Werden sie geschnitten, wachsen neue Triebe nach, weswegen ein Feld mehrfach geerntet werden kann. Bei idealen Wetterbedingungen wachsen die Spargelstangen übrigens bis zu zwei Zentimeter pro Stunde! Nachschub für eine gesunde Mahlzeit.

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Global Player

Die BayWa Tochtergesellschaft T&G Global Limited in Neuseeland ist der führende Spargelhändler und -produzent der Südhalbkugel, außerdem der größte Exporteur von Spargel aus Peru. Von Australien aus liefert T&G nach Japan und in den Rest der Welt. Die Vertriebsgesellschaften von T&G in Neuseeland, Australien, Peru und den USA haben 2015 etwa 4.000 Tonnen per Luftfracht verschickt. In Asien steigt die Nachfrage. Für Nachschub sorgt unter anderem ein 2015 gegründetes Joint Venture mit M&G Vizzarri, Australien. Dadurch stehen für das Jahr 2016 weitere 3.000 Tonnen grüner Spargel zur Verfügung. So verbessert T&G seine Position im australischen Lebensmitteleinzelhandel und bei seinen Abnehmern in Südostasien. In Australien bedient das Joint Venture unter dem Namen T&G Vizzarri Farms ganzjährig sämtliche führende Lebensmitteleinzelhändler.