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Fjord Norwegen

Auf nach Norden

Üppige Wälder, Berge mit ausgedehnten Hochebenen, kilometerlange Küsten, heiße Quellen – der Norden ist ein ELDORADO für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Gebirgsbach schlängelt sich zwischen kargen Felsen hindurch, herunter zu den saftig grünen Wiesen. Im Hintergrund weiden Kühe. Fast sieht es hier aus wie in den deutschen Alpen. Nur der Bach ist so heiß, dass unablässig Wasserdampf über ihm aufsteigt – Island verfügt über mehr als 600 heiße Quellen. Wen wundert es da, dass der kleine Staat bereits 76 Prozent seiner Energieversorgung durch erneuerbare Ressourcen deckt? Damit gehört das Land zur Weltspitze. Dabei prägt die Geothermie zwar das Image, praktisch ist die Wasserkraft jedoch weitaus wichtiger und bringt einen mehr als doppelt so hohen Ertrag. 
In diesem Zusammenhang ist es besonders schade, dass Island den Antrag auf den EU-Beitritt zurückgezogen hat. Es wäre auch für die Statistik der EU ein echter Gewinn gewesen. Die nordischen Staaten gelten zu Recht als Vorreiter der Energiewende in Europa. Landesinterne Ziele sind größtenteils noch höher gesteckt, als die Vorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU.
So gilt zum Beispiel in Schweden die Energiebranche als Motor der Wirtschaft. Allein vom Jahr 2011 auf 2012 ist das Investitionsvolumen um 25 Prozent gestiegen. Ein großer Teil des Geldes ist in die Windenergie geflossen. Dabei wird bereits mehr als die Hälfte des landesweiten Verbrauchs durch erneuerbare Quellen gedeckt. Eine stolze Zahl. Neben dem schon erwähnten Ausbau von Windenergieanlagen setzt Schweden auf Wasserkraft, die einen Anteil von mehr als 
44 Prozent an der Versorgung hat, und forciert den Ausbau von Biomasseheizkraftwerken. Auch die Produktion von Bioöl, das vor allem aus Getreide hergestellt wird, soll steigen.  
Hier können sich die Schweden an Finnland orientieren: Biogas, das durch Vergärung aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen wird, Bioöl-Raffinerien, in denen man über verschiedene Verfahren Öl aus Biomasse erzeugt und Heizkraftwerke, die mit Biomasse befeuert werden – die Finnen bauen die Verwertung von Biomasse aus, um Energie zu gewinnen. An erster Stelle stehen dabei Holz und Abfall. Künftig soll Biokohle hinzukommen – ein wichtiger Forschungsbereich in Finnland. Die Verkohlungsprozesse der Biomasse werden dabei künstlich herbeigeführt. Mit der gewonnenen Kohle sollen normale Kohlekraftwerke betrieben werden können. Das Windkraftpotenzial wird auf 8.900 Megawatt (MW) geschätzt, wovon bislang weniger als 500 MW installiert sind. Aber auch das soll sich ändern: Finanzielle Sicherheit garantiert eine Einspeisevergütung.

Wasserkraft in Norwegen

Die Norweger nutzen den Wind bisher ebenfalls kaum, obwohl Experten schätzen, dass Turbinen dort bis zu zweimal mehr Strom produzieren können als in Deutschland. Die Politik hat den Weg freigemacht für die Errichtung neuer Anlagen, Größenordnung 3.500 MW. Prägend ist in Norwegen dagegen die Wasserkraft, die auch Grundlage für die Industrialisierung war. Was mit einfachen Wassermühlen begann, ist heute zu einer wichtigen Exportware geworden: technisches Know-how. Dabei nimmt das Land eine spannende Doppelrolle ein, da es auf erneuerbare Energien setzt und gleichzeitig einen großen Teil seines Reichtums der Ausfuhr von Öl und Gas verdankt. Solarthermie ist in Bezug auf die Energieeffizienz von Gebäuden interessant – auch hier soll künftig der Markt wachsen.
Das ist bei den Dänen ähnlich. Fördermaßnahmen wie eine Einspeisevergütung stellen Betreiber größerer Anlagen besser. Deshalb 
planen viele Gemeinden und Unternehmen Photovoltaikanlagen. Noch wichtiger ist aber der Wind. Er versorgte schon kurz nach 1900 die dänische Landbevölkerung mit Strom. In den 1970er-Jahren bauten Freiwillige der Tvind-Schule eine Windenergieanlage, die jahrelang die größte der Welt war. Es ist also nicht überraschend, dass die Mehrheit der weltweit aufgestellten Windräder von dänischen Firmen stammen. Die weitere Entwicklung der Windenergie wird allerdings von den Ergebnissen 
eines Gesundheitsgutachtens abhängen, das die Regierung angefordert hat. Die Fertigstellung wird erst für 2017 erwartet.
Fazit: Das Energiepotenzial der Natur ist in den nordischen Staaten so gewaltig, dass es bislang nicht gelungen ist, alle Quellen anzuzapfen – für Projekte im Bereich erneuerbare Energien werden diese Märkte daher auch in der Zukunft eine tragende Rolle spielen.

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Hart am Wind

Erneuerbare Energien sind ein wichtiges Geschäftsfeld der BayWa, das seit 2014 auch in Skandinavien deutlich ausgebaut wird.
In Skandinavien ist die BayWa schon länger vertreten. So hat das Tochterunternehmen BayWa r.e. renewable energy GmbH in Dänemark eine Niederlassung für den Photovoltaik-Großhandel. Im Mai vergangenen Jahres hat die BayWa r. e. zudem 76 Prozent der Anteile des schwedischen Projektentwicklers HS Kraft AB übernommen. Das Unternehmen ist auf die Umsetzung von Projekten im Windbereich spezialisiert: von ersten Machbarkeitsstudien über die Planung, Entwicklung, den Bau und die Betriebsführung von Windenergieanlagen. In den nächsten Jahren sollen Projekte mit einer Leistung von 150 Megawatt entstehen – im gesamten Norden.

Im Überblick

Nutzung erneuerbareer Energien bezogen auf die Energieversorgung mit Strom und Wärme*

76% Island

65,5% Norwegen

52,1% Schweden

36,8% Finnland

27,2%
Dänemark

 

* Quellen: Schätzung des Bruttoendenergieverbrauchs für 2013 in Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark: Eurostat; in Island für 2012: Askja Energy.

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