Energiezukunft
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Wachstum²

Der Anteil an erneuerbaren Energien steigt international an und die südostasiatischen Länder schwimmen ganz oben mit. Nirgendwo sonst auf der Welt schreitet der Ausbau so schnell voran.

Stahlgerüste scheinen sich dem Himmel entgegenzustrecken, von Pflanzen umrankt. Wenige Meter weiter zieht Nebel auf im Wolken-Wald. Brücken verbinden dort die exotischen grünen Berge miteinander und sind Symbol für die Version, die sich hinter dem Gardens by the Bay in Singapur verbirgt: In diesem Garten wächst eine Stadt und mit ihr die mögliche Zukunft der Energieversorgung. Solarzellen und Biomasse-Heizkraftwerke sorgen für Strom, der durch eine ausgeklügelte Technik sehr effizient eingesetzt wird. Es ist offensichtlich: Die Asiaten setzen verstärkt auf die Ressourcen der Natur. Tatsächlich hat sich die Region innerhalb weniger Jahre zum Hotspot für erneuerbare Energien entwickelt. Kein Wunder, dass Südostasien nicht nur Touristen anzieht, sondern Investoren aus aller Welt.

Rund um den Globus steigt der Anteil der regenerativen Quellen am Energiemix. Der Schub der letzten Jahre ist unter anderem dem Kyoto-Protokoll zu verdanken, das 2005 in Kraft getreten ist und erstmals Zielwerte zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in den Industrieländern genannt hat. Die Teilnehmer der Weltklimakonferenz in Paris 2015 einigten sich in der Folge darauf, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Viele Staaten zogen aus dieser Entwicklung bereits praktische Konsequenzen: 2006 betrug die weltweit installierte Leistung an erneuerbaren Energien noch 1.031 Gigawatt (GW). 2015 waren es 1.965 GW – fast doppelt so viel.

Bangkok Verkehr

Asien kommt in Bezug auf die Umwelt eine besondere Rolle zu. „Keine andere Region der Erde hat so viel Einfluss aufs Klima“, sagt Christopher M. Dent. Der Professor der britischen University of Leeds ist auf die Wirtschaftspolitik Ostasiens spezialisiert und hat die Situation analysiert für sein Buch „Renewable Energy in East Asia: Towards a New Developmentalism“. Demnach verzeichnete die Region in den vergangenen Jahrzehnten das größte Wirtschaftswachstum im internationalen Vergleich, womit auch der Energieverbrauch stark anstieg. Denn Geld wird in erster Linie mit produzierendem Gewerbe verdient, das einen besonders hohen Energiebedarf hat. Außerdem treibt die wachsende Bevölkerung den Verbrauch in die Höhe. Auch dieser Effekt wirkt sich überdurchschnittlich aus, weil die steigenden Einkommen zu einem komfortableren Lebensstil führen – seit den 1970er-Jahren ist der Energieverbrauch in Asien daher im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt dreimal so schnell gewachsen.
Superlative stehen auch für den Ausbau erneuerbarer Energien bereit: Zwischen 2006 und 2015 vergrößerte sich die installierte Leistung in der Region von 292.013 MW auf 779.947 MW, also um mehr als 167 Prozent. Weltweit stieg sie im gleichen Zeitraum nur um rund 90 Prozent.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Dent nennt den Wunsch, die zum Teil noch große Abhängigkeit vom Öl als Energieträger zu verringern. Außerdem könnten Erneuerbare die Versorgungssicherheit langfristig verbessern. Auch das Bewusstsein für die Umweltbelastung durch den hohen CO₂-Ausstoß herkömmlicher Energieformen sei ein greifbares Argument. „In vielen asiatischen Städten ist die akute Belastung durch Luftverschmutzung ein Problem“, sagt der Experte. „In der Öffentlichkeit wächst der Druck, dass Wachstum auch qualitativ sein müsse. Dazu gehört es, Umweltaspekte zu berücksichtigen.“ Der Rückhalt in der Bevölkerung für erneuerbare Energien ist also groß. Parallel werden sie in den meisten Staaten durch Gesetze und Fördermaßnahmen unterstützt, etwa durch besondere Einspeisevergütungen.

Allerdings gibt es große nationale Unterschiede. Denn zu Nordost- und Südostasien werden insgesamt 
17 Staaten gezählt, wobei es China allein durch seine Größe von mehr als 9,5 Millionen Quadratkilometern leicht gelingt, Rekorde zu erzielen: 2013 hat es mehr Solaranlagen installiert als ganz Europa zusammengenommen. Trotzdem vermutet die International Renewable Energy Agency, kurz IRENA, dass regenerative Quellen im Jahr 2030 nur 16 Prozent des Energiemixes in China decken werden, falls die Politik sie nicht massiv fördert.
Anders sieht es in Japan aus, dem zweiten Big Player in der Region. Nach dem Erdbeben 2011 und der damit verbundenen Reaktorkatastrophe in Fukushima stehen Erneuerbare hoch im Kurs. Bis zu 24 Prozent sollen sie laut Vorgabe der Regierung bis 2030 abdecken. An erster Stelle steht übrigens die Erdwärme im Vulkangebiet Japan, denn hier gibt es das weltweit drittgrößte Potenzial für die Geothermie. Indonesiens Ziele sehen ähnlich aus (2025: 23 %). Hier schlummern 40 Prozent des weltweiten Geothermie-Potenzials. Auch das Potenzial für Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse wird als beträchtlich eingestuft. Die kleineren Staaten stehen den großen Ländern in nichts nach, wenn es um hochgesteckte Ziele für einen Wandel in der Energieversorgung geht. Ein gutes Beispiel ist Thailand (2021: 25 %). Bislang war Biomasse dort die Nummer eins, Solarenergie läuft ihr aber langsam den Rang ab. Die Fördermaßnahmen waren so erfolgreich, dass die zusätzliche Einspeisevergütung gekürzt wurde. Ausgehend vom Status im Jahr 2014 (1.299 MW) soll die Leistung bis zum Jahr 2036 mehr als viereinhalbmal so hoch sein (6.000 MW). Einen Grund für diese Entwicklung sehen Experten in den günstigen Preisen für Solarmodule.

Auch auf den Philippinen, wo traditionell vor allem Geothermie und Wasserkraft bedeutend waren, steigt der Anteil von Solar- und Windenergie. Die Regierung rechnet mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 20,4 Prozent pro Jahr. Malaysia legt die Latte noch höher. Während die Ziele bis zum Jahr 2030 mit 17 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien noch moderat klingen, sollen es bis 2050 73 Prozent sein. Das deutlichste Wachstum zeichnet sich derzeit für die Solarenergie ab, die sich von 6 MW (2006) auf 184 MW (2015) verdreißigfacht hat. Bis 2030 sollen es 3.100 MW sein. Den innovativsten Ansatz verfolgt das kleinste Land – zurück zu Singapur. Der Stadtstaat hat seine 718 Quadratkilometer zum „lebenden Labor“ erklärt und lädt Unternehmen für saubere Technologien ein, innovative Ansätze hier auszuprobieren. Von Singapur aus sollen sie die ganze Welt erobern und erneuerbare Energien global vorantreiben.

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„Erneuerbare Energien in Ostasien sind nicht nur entscheidend für die künftige nachhaltige Entwicklung der Region, sondern für die der ganzen Welt.“
Prof. Christopher M. Dent

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Seit vergangenem Jahr ist die BayWa neben Europa und den USA in Südostasien aktiv. 2015 wurde eine Holding-Gesellschaft mit Sitz in Singapur gegründet. Im Frühjahr 2016 folgten zwei Regionalgesellschaften in Thailand und Singapur. Die Mitarbeiter in den beiden Büros sind auf Solarprojekte und den Handel mit Photovoltaik-Komponenten spezialisiert. Ihr Ziel ist es, das Marktpotenzial der Region für den Bereich Photovoltaik-Handel und das Solarprojektgeschäft auszuschöpfen. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf den Märkten in Thailand, auf den Philippinen, in Malaysia und Indonesien. Ein weiteres Geschäftsfeld ist die Projektierung von Windparks. Für die BayWa ist Südostasien eine spannende Region. Sie wächst dynamisch und erneuerbare Energien spielen eine immer größere Rolle. Mehr Infos: 

www.baywa-re.com

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