Energiezukunft
Windpark

Rotorblätter auf Rädern

Es hat etwas von einem riesigen Puzzle, einen Windpark zu errichten. Eine der größten Herausforderungen liegt in der Logistik: Vorbereitung bis ins letzte Detail und Spezialgeräte für den Transport schwerer Einzelteile sind das A und O.

Am Straßenrand haben sich einige Neugierige versammelt. Gespannt verfolgen sie, wie sich der überlange LKW in Zeitlupentempo durch den Ort bewegt. Auf seiner Ladefläche ruht ein 54 Meter langes Rotorblatt. In der Kurve ist Zentimeterarbeit gefordert. Was die Zuschauer nicht wissen: Monatelange Vorbereitungen waren nötig, um die sperrige Last durch enge Durchfahrten sowie über schmale Brücken und unter Stromleitungen hindurch transportieren zu können. Zwar werden immer mehr Windparks an Land gebaut, aber die Herausforderungen werden nicht kleiner, denn Ihre Leistung – und damit auch Turmhöhen und Rotordurchmesser – wächst seit Jahren stetig.

Besonders aufwändig gestalteten sich die Vorbereitungen für den Windpark, der zurzeit am Herrenstein in Österreich entsteht. Sechs Windkraftanlagen werden auf einem rund 1.400 Meter hohen Bergkamm in der Steiermark errichtet. Ihre Nabenhöhe liegt jeweils bei 94 Metern. Ein dreiviertel Jahr lang wurden Straßen, Brücken und Engpässe gecheckt, bis die Transporte starten konnten. Eine Herausforderung waren die 80 Stromleitungen entlang der Route. Jede einzelne musste geprüft werden: Erst, wenn ein ausreichender Abstand zu den durchfahrenden LKW beziehungsweise dem Ladegut gewährleistet war, gab es grünes Licht für die Strecke.
Für jede Anlage waren mehrere Schwertransporter nötig: vier für den Turm, einer für den Antriebsstrang, einer für das Maschinenhaus, einer für die Nabe und drei für die Rotorblätter. In der Regel bringen die Transporter die Windkraftanlagen auf öffentlichen Straßen möglichst nah an den Bauplatz heran. „Bei dem Windpark am Herrenstein gab es für die Schlussetappe eine gut ausgebaute Forststraße, die mit nur geringen Baumaßnahmen genutzt werden konnte“, erläutert Projektmanager Matthäus Witek, der die Logistik gemeinsam mit dem Transportunternehmen federführend plante.

Rotorblatt auf Schwertransporter

Vor der letzten Etappe durch den Wald müssen die Transporteure die Last umladen: Tonnenschwere Einzelteile werden auf einen sogenannten Selbstfahrer gepackt. Dieses außerordentlich bewegliche Spezialfahrzeug mit zehn Achsen fährt wie von Geisterhand die letzten viereinhalb Kilometer auf einem nur vier Meter breiten Weg durch den Wald. Es meistert dabei Steigungen von bis zu 16 Prozent. Der Fahrer geht zu Fuß nebenher und lenkt per Fernsteuerung.
Zwei der drei Umladestellen mussten extra gebaut werden: eine am Ende der Autobahn nur für die Rotorblätter und eine zweite rund 20 Kilometer weiter für die Turmumladung. Der große Logistikplatz für das übrige Equipment bestand zum größten Teil bereits. Insgesamt wurden dafür 4.000 Quadratmeter Fläche geschottert. Wenn der Windpark steht, werden sie rückgebaut und rekultiviert.

Selbstverständlich war auch am Standort des Windparks viel vorzubereiten. Für jeden Windpark ist ein Bodengutachten erforderlich, das die Tragfähigkeit prüft. Dann wird die benötigte Fläche für die Fundamente entsprechend vorbereitet, um die Standsicherheit gewährleisten zu können. Damit die Anlagen sicher stehen, brauchen sie ein massives Fundament. In einer Woche verbauten die Arbeiter 50 Tonnen Stahl für das Fundament jeder Windkraftanlage. „Einen weiteren Tag dauerte es, die jeweils 500 Kubikmeter Beton einzubringen. Der Bau eines Fundamentes geht in einer bis anderthalb Wochen über die Bühne“, erläutert Bauleiter Ingo Schleifer diesen Schritt.

Rund zehn Monate vor der Aufstellung geht der Auftrag beim Hersteller der Windkraftanlagen ein. Produziert wird so, dass die Anlagen just-in-time ankommen und gleich aufgebaut werden können. „Die Errichtung einer Windenergieanlage ist wie ein Puzzle in 3D. Aus vielen komplexen Details wird ein Ganzes. Liefertermine, Logistik und das Wetter – alles muss zusammenspielen“, sagt Bauleiter Ingo Schleifer.
Die Montage der Stahltürme am Herrenstein hatte es in sich. Vor Ort wurde zunächst ein extrem leistungsstarker Gitterkran aufgebaut. Mit seiner Tragkraft von 600 Tonnen kann er die 30 Meter hohen Sektionen der Stahltürme an die gewünschte Position hieven, dort werden sie von den Monteuren verschraubt. 230,5 Tonnen Stahl bringt ein Turm auf die Waage. Die Gondel wiegt 130 Tonnen und ist das schwerste Einzelteil. Zum Vergleich: Ein Rotorblatt wiegt 12,5 Tonnen. Mit dem Aufbau des Kranes dauert es fünf Arbeitstage, um eine Windenergieanlage zu errichten. „Die größte Gefahr ist der Wind. Wir halten uns daher genau an die Vorhersagen und wissen genau, bis zu welcher Windstärke wir arbeiten können“, erzählt einer der Monteure vor Ort.

Wenn die Anlagen stehen, alle Leitungen verlegt und angeschlossen sind, beginnt der mehrere hundert Stunden dauernde Probebetrieb. Erst dann geht der Windpark endgültig ans Netz. Grund genug, ein Eröffnungsfest zu feiern.

Kopf eines Windrads
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Windenergie mit der BayWa

Die BayWa r.e. errichtet schlüsselfertige Windkraftanlagen. Erfahrene Projektmanager entwickeln Projekte zur Baureife und setzten diese genau nach Plan um. Dazu gehört die Beschaffung aller nötigen Komponenten und die Errichtung der notwendigen Infrastruktur, wobei alle mechanischen und elektrischen Anforderungen berücksichtigt werden. Im Bereich der Erneuerbaren Energien erfüllt die BayWa r.e. sämtliche Aufgaben der Logistik. Das beginnt beim Transport mit jeweils nach den Anforderungen ausgelegten Spezialfahrzeugen, über die Bereitstellung von Krandienstleitungen und Arbeitsbühnen bis hin zum Einsatz von fachkompetenten Montageteams für Auf- und Abbau vor Ort.

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