Energiezukunft
Im Fokus
Prof. Dr. Volker Quaschning Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin erneuerbare Energien

Raus aus der Sackgasse

Bis zum Jahr 2040 muss Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Das fordert Prof. Dr. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Das ist für jedes Land unterschiedlich. In Norwegen, einem Land mit vielen Höhenunterschieden, wird der Strom zu hundert Prozent aus Wasserkraft gewonnen. In Deutschland aber können wir maximal fünf Prozent der Energie mittels Wasserkraft erzeugen. Windkraft und Sonnenenergie sind überall verfügbar. Mal kann man mehr Strom aus der Windenergie gewinnen – wie beispielsweise an den Küsten oder auf den Bergen; Solarenergie ist dagegen in Afrika im Überfluss verfügbar. In Deutschland können wir im Sommer auch mehr als genug Solarenergie nutzen. Im Winter wäre dann die Windenergie die stärkere Kraft.

Es muss sich durchsetzen, denn der Klimaschutzbericht des Weltklima-Rates zeigt uns deutlich: Bis 2040 müssen wir den Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien gewinnen. Mit unserem jetzigen Tempo zieht sich die Energiewende bis zum Jahr 2155 hin. Diese Zeit haben wir nicht! Wir stecken in einer Sackgasse: Es lässt sich nämlich nur ein gewisses Budget an CO2 in die Atmosphäre blasen. Anderenfalls müssen wir es später wieder aufwendig herausholen. Da ist es einfacher, wenn wir gleich auf erneuerbare Energien setzen.

Spätestens dann muss die Energie für die Bereiche Transport, Wärme und Strom aus erneuerbaren Quellen kommen. 2065 werden wir bereits zweite Generationen von Anlagen in Betrieb haben – das werden sicher noch modernere und auch günstigere Systeme sein. Und eines steht fest: Wer dann – oder besser noch viel früher – nicht umgestellt hat, ist hintendran.

Wir brauchen schnellstmöglich effiziente Speicherlösungen für Solarstrom. Denn nachts und im Winter fehlt die Sonne, die wir tagsüber und im Sommer sammeln könnten. Hier tut sich schon viel: Die Preise fallen im Batteriebereich; es müssen nur noch kleine technische Details angepasst werden. Die Firma Tesla hat beispielsweise einen Hausspeicher entwickelt, der sogar gut aussieht. Denn die Energiewende muss Spaß machen!

In der Solartechnik ist es wie in der Auto-Entwicklung: Unsere heutigen Autos sind im Vergleich zu denen vor 30 Jahren schnittiger, sie brauchen ein bisschen weniger Benzin – Quantensprünge haben wir hier in den vergangenen Jahrzehnten aber nicht mehr gemacht. Und das ist auch bei der Solarenergie nicht nötig. Die Technologien sind schon sehr weit, jetzt geht es um die Wirtschaftlichkeit. Im vergangenen Jahrzehnt sind die Preise rasant gefallen. Als Beispiel: In den USA erwirtschaftet eine Freiflächenanlage Solarstrom bereits für unter vier Cent je Kilowattstunde. Damit ist die Solarenergie dort schon jetzt die preiswerteste Art der Stromversorgung. Jetzt müssen Solarzellen in Fassaden, Fensterflächen, Taschen oder andere Alltagsgegenstände integriert werden.

Die Technologien sind weit entwickelt, es fehlen intelligente Konzepte, um sie an die Verbraucher zu bringen. Schauen Sie nur nach Afrika: Die Menschen dort sind arm und können eine neue Solaranlage nicht bezahlen. Ein Start-up-Unternehmen aus Berlin lässt beispielsweise PV-Anlagen über 36 Monatsraten finanzieren – ein Modell das eingeschlagen hat. Gerade in der Energiewende müssen wir die Menschen beteiligen. Mieter sollen die Möglichkeit bekommen, ihren eigenen Solarstrom zu nutzen. Dafür gibt es bereits Balkonmodule – so hat jeder ein gutes Gefühl, weil er direkt an der Energiewende mitwirken und sie unterstützen kann.

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Erneuerbare und Klimaschutz

"Die Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zählen zu den bedeutendsten Aufgaben der Menschen in diesem Jahrhundert", so Volker Quaschning, Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft – HTW Berlin und Sprecher für den Studiengang Regenerative Energien. Mehr Infos zur Person:

www.volker-quaschning.de

Sience-Fiction

Auf dem Mond scheint die Sonne immer. Eine japanische Architektur- und Ingenieurfirma legte 2013 Pläne für einen riesigen Solaranlagen-Gürtel entlang des Mond-Äquators vor. Doch Prof. Dr. Volker Quaschning ist sich sicher: "Das ist und bleibt Science-Fiction!"

Quaschning rechnet die Unwirtschaftlichkeit des LUNA RINGS vor: "Man kann auf der Erde Solarstrom für weniger als vier Cent produzieren. Damit lassen sich nicht einmal die Raketenstarts ins Weltall finanzieren, von der Anlagentechnik ganz zu schweigen."