Energiezukunft
über den Tag hinaus
Kochende Afrikanerin

Gebündelte Kraft

Afrikanische Länder setzen verstärkt auf erneuerbare Energien. Die zentrale Stromversorgung erreicht aber längst nicht alle Menschen, daher sind viele kleine, dezentrale Projekte gefragt.

Andreas Jahnel kennt sich in vielen Ländern Afrikas aus. Für die gemeinnützige Organisation Ingenieure ohne Grenzen betreut er dort Projekte zum Ausbau der dezentralen Energieversorgung. „Die Menschen bauen in der eigenen Landwirtschaft an, was sie für ihr tägliches Leben brauchen, häufig können sie nur einen kleinen Überschuss verkaufen“, berichtet Jahnel. Dieser geringe Ertrag fließt in das Schulgeld für die Kinder oder in den Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten. Dabei benötigen viele Familien eine autonome Stromversorgung, denn die Elektrifizierungsrate in Subsahara-Afrika liegt nur bei durchschnittlich 32 Prozent. „Doch die Familien auf dem Land haben kein Geld für Investitionen in einen Generator oder eine Photovoltaikanlage“, weiß Jahnel aus seiner Arbeit vor Ort. Als dezentrale Lösung stellt eine Berliner Firma Ostafrikanern kompakte Solarsysteme gegen Ratenzahlung zur Verfügung. Diese Systeme liefern ausreichend Strom für die Grundversorgung einer Familie – für Licht, Radio und Handy. Größere Versionen können auch einen Kühlschrank oder Geräte in kleinen Firmen betreiben. Die Kosten für die Kunden, die die Solaranlagen über „Micro Payments“ innerhalb von 36 Monaten erwerben, liegen zwischen 800 und 1.300 US-Dollar. Das schafft Unabhängigkeit von der zentralen Energieversorgung. „In den Städten sind die Stromnetze ausgebaut, doch in ländlichen Regionen kommt der Ausbau nur langsam voran“, erklärt Jahnel. Die zentrale Energieversorgung in Afrika breitet sich nur langsam aus; Menschen in abgelegenen Dörfern sind noch auf sich selbst angewiesen.

In Burkina Faso gibt es daher Projekte, bei denen kompakte solarbetriebene Ladestationen Strom für Handys liefern. Denn viele Afrikaner besitzen ein, manche sogar zwei oder drei Handys. Zum Aufladen müssten sie aber weite Wege in die nächste Stadt zurücklegen, denn erst dort gibt es Strom. Jetzt können die Menschen ihr Telefon direkt in ihrem Dorf zu einer kompakten solarbetriebenen Ladestation bringen. Dafür bezahlen sie eine kleine Gebühr; ein Teil davon geht als Miete an das Unternehmen, der Rest als Einnahmen an den Betreiber. So spart die Ladestation nicht nur Wege, sondern schafft Arbeitsplätze und ermöglicht den Zugang zu wichtigen Informationen und Services. Dies können zum Beispiel der Wetterbericht, Preise für Nahrungsmittel oder die medizinische Versorgung sein.
Mit dezentralen alltagstauglichen Projekten unterstützt die Organisation Ingenieure ohne Grenzen auch die infrastrukturelle Grundversorgung und verbessert damit die lokalen Lebensbedingungen. Die Mitarbeiter knüpfen Kontakte und betreuen Projekte in den Bereichen Wasser-, Sanitär- und Energieversorgung – aktuell rund 60 Stück.

„Afrika ist nicht mehr das Armenhaus der Welt, sondern im Umbruch. Die Wirtschaft in vielen Ländern brummt“, sagt Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Er plädiert für eine neue Sicht auf unseren Nachbarkontinent – jenseits des Klischees eines nur von Hunger und Armut geplagten Kontinents. Afrika, das sind 54 Länder mit erheblichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Unterschieden. In vielen Ländern südlich der Sahara wächst die Wirtschaft. Vorreiter-Staaten wie Ghana oder Äthiopien profitieren von ausländischen Direktinvestitionen, Wirtschaftsreformen und dem steigenden Konsum der Mittelschicht. Auch an motivierten, jungen Arbeitskräften mangelt es nicht: 41 Prozent der Afrikaner sind jünger als 15 Jahre. 2040 wird jeder fünfte Jugendliche auf der Welt in Afrika leben.

Wie in Mosambik: Ingenieure ohne Grenzen hat eine Schule mit einer Photovoltaik-Anlage ausge­stattet. Tagsüber werden Kinder in der Dorfschule unterrichtet und abends können nun Erwachsene bei elektrischem Licht lernen. „Die Menschen hier wünschen sich Bildung, hatten aber während des Bürgerkriegs keine Möglichkeit, die Schule zu besuchen“, erzählt Jahnel. Das Modell nutzen die Ingenieure ohne Grenzen auch in anderen Dörfern.
Auch aus Biomasse entsteht Energie – zum Kochen. In ländlichen Gegenden Tansanias heizen die meisten Afrikaner ihre Kochstelle mit Holz, das sie sammeln oder kaufen. Doch die Rodung schadet dem Boden und dem gesamten Ökosystem, außerdem sind die Menschen den schädlichen Abgasen der Holzöfen ausgesetzt.
Ein Projekt der BayWa Stiftung mit Ingenieure ohne Grenzen und der Partnerorganisation Mavuno Project schafft Lösungen in Tansania. Eine Biogasanlage produziert hier aus Bananenstämmen kostengünstig, sauber und technisch einfach Gas. Damit hat eine Familie Energie zum Kochen von bis zu zwei Mahlzeiten pro Tag und wertvollen Dünger für die Plantagen. Und in der Küche entstehen keine giften Abgase mehr. Damit leiden die Menschen weniger unter Atemwegserkrankungen und Augenentzündungen.
„Die Verwendung von Biogas hat sich in vielen ländlichen Gebieten bewährt“, sagt Charles Bahati, Projektmanager von Mavuno Project. „Gesundheit, Bildung und ein Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion sind positive Ergebnisse aus Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien. Sie stützen und kurbeln die Wirtschaft an.“
Da wundert es nicht, dass die Erneuerbaren auf dem Vormarsch sind: 1.463 Megawatt (MW) betrug die installierte Windenergieleistung Ende 2013 in den afrikanischen Staaten; im Jahr 2014 errichteten sie weitere Anlagen mit einer Kapazität von 999 MW. Außerdem stieg die installierte Leistung an Solarenergie in Afrika von 127 MW in 2009 auf 1.334 MW in 2014. Vorreiter sind Ägypten, Äthiopien, Kenia, Marokko und Südafrika; andere wie Kap Verde, Dschibuti, Ruanda und Swasiland folgen. Mit zentralen, aber auch mit vielen dezentralen Projekten.

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Lebensqualität verbessern

Die BayWa Stiftung realisiert nachhaltige Bildungsprojekte in den Bereichen gesunde Ernährung und erneuerbare Energie im In- und Ausland. Mit Projekten wie den Kleinstbiogasanlagen in Tansania soll die Lebensqualität der Menschen vor Ort langfristig verbessert werden. Mehr Infos zum Projekt und ein ausführliches Interview mit Charles Bahati gibt es hier.

www.baywastiftung.de
Portrait Charles Bahati

Charles Bahati, Projektmanager von Mavuno Project, Tansania
© BayWa Stiftung

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