Energiezukunft
Über den Tag hinaus
Energiewende Windrad

Energiewende hautnah erleben

Strom mit einem selbst gebauten Windrad gewinnen? An dieses Projekt wagten sich Schüler in Bechhofen. Im Juli ging die Windkraftanlage erfolgreich an den Start.

Die Vorbereitungen zum Finale laufen: Schüler tragen das hölzerne Windrad auf den Schulhof. Es soll auf der Gondel montiert werden – ohne Generalprobe. Spannung ist auf den Gesichtern abzulesen: Passt alles? Fast. Die Bohrlöcher müssen nachgebohrt werden. Dass bei diesem Projekt nicht alles auf Anhieb klappt, kennen die jungen Leute schon. Bisher haben die Schüler der Grund- und Mittelschule in Bechhofen (Bayern) jedoch immer Lösungen für ihr Vorhaben gefunden. In Zusammenarbeit mit Studenten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und den Auszubildenden eines Industriebetriebs haben sie die Kleinwindkraftanlage geplant, gefertigt und zusammengebaut. Eine super Sache: Denn durch den eigenständigen Bau einer Kleinwindkraftanlage werden Lerninhalte praktisch erfahrbar.

"Hier erleben die Schüler erneuerbare Energien zum Anfassen", berichtet Maria Thon, Geschäftsführerin der BayWa Stiftung. "Wenn man normalerweise fragt, was erneuerbare Energie ist, dann fällt die Antwort meist sehr theoretisch aus. Aber hier lernen junge Menschen wirklich, wie so eine Anlage funktioniert." Nicht nur finanziell, auch mit Rat und Tat hat die BayWa Stiftung das Projekt unterstützt. Dazu Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. Bruno Ehrmaier von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: "Die größte Besonderheit ist, dass die Schüler alles selbst gemacht haben. Sie haben etwa die Rotorblätter geschnitzt, gehobelt und geschliffen – auch die Spulen sind von Hand gewickelt. Das ist selten. In anderen Projekten werden bereits gefertigte Windräder einfach nur aufgestellt."

Andere Vorhaben, in denen sich Schüler und Schulen für erneuerbare Energien oder die Umwelt einsetzen, gibt es zahlreiche. Eines der größten Schulprogramme der Welt wird von der unabhängigen Stiftung für Umwelterziehung (Foundation for Environmental Education) betrieben: Eco Schools. Hier engagieren sich in 58 Ländern 46.362 Schulen. Deutschland zählt im Eco-School-Programm etwa 650 Schulen und andere Institutionen. Auch die „Umweltschule in Europa – Internationale Agenda 21 Schule“ gehört zu diesem Netzwerk. Ein weiteres Beispiel aus Deutschland ist der Energiesparmeister-Wettbewerb. 2015 beteiligten sich 243 Schulen mit Klimaschutzprojekten. Der Titel „Energiesparmeister Gold“ wurde im Sommer bezeichnenderweise auf der Leitmesse für Jugendkultur „You“ in Berlin verliehen. Gewonnen hat das Lessing-Gymnasium aus Köln. Die Schulgemeinschaft sammelt Geld durch Energiesparen, mit Erträgen aus der eigenen Solaranlage und mit diversen Spendenaktionen. Damit hilft sie, im westafrikanischen Mali den Bau von Schulen zu finanzieren. Die erste Schule mit Photovoltaikanlage und solarbetriebenem Wasserspeicher steht schon. Auch Beiträge für Schülerwettbewerbe wie den „European Union Contest for Young Scientists“ oder „Jugend forscht“ beschäftigen sich regelmäßig mit Themen rund um Erneuerbare. Im Landeswettbewerb Schleswig-Holstein siegte 2015 etwa eine Windkraftanlage, deren Rotoren sich horizontal drehen. Sie kann an Pfählen, Stangen oder Schornsteinen angebracht werden.

Das Windrad, das heute in Betrieb geht, soll sich jedoch wie gewohnt vertikal drehen. Zwei Kranwagen heben es dazu auf den Mast. Alle Blicke sind nach oben gewandt, die Kameras der Medienvertreter scharf gestellt: Wie wird sie aussehen, die erste von Schülern gebaute Kleinwindkraftanlage in Bayern? Die Montage dauert einen Moment – dann treten die Männer im Korb zurück, Beifall setzt ein: Das Windrad sitzt!

Es folgen noch ein paar Arbeiten, dann ist die Anlage mit einer Leistung von bis zu 800 Watt startklar. Nun kann sie das – ebenfalls selbst gebaute – Tipidorf und die Teichpumpe mit Strom versorgen. Ein tolles Projekt. Professor Ehrmaier empfiehlt so ein Modell auch anderen Schulen: „Hier lassen sich Erneuerbare hautnah erleben.“

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