Energiezukunft
Mobilität von morgen

Die Mobilität von morgen

Von London bis Shanghai bringen Stau und zähfließender Verkehr Metropolen an ihre Grenzen. Die Zukunft verlangt nach modernen, ökologischen Lösungen. Der zentrale Antrieb dafür ist die Elektromobilität.

Städtische Ballungsräume werden rund um den Globus immer größer und sie stehen dadurch auch vor erheblichen Verkehrsproblemen. Ein Beispiel: Wer in und um München arbeitet, Deutschlands Staustadt Nummer eins, stand 2017 durchschnittlich ganze 51 Stunden im Verkehr still. Das macht 16 Prozent der gesamten Fahrzeit aus und toppt sogar den Wert des globalen Spitzenreiters Los Angeles. Der Stau ist hier für die Autofahrer nicht nur in der Rush Hour das größte Alltagsproblem. Trotzdem macht er „nur“ zwölf Prozent der gesamten Fahrzeit aus, also weniger als in München. Insgesamt verbringen Autofahrer aber in der kalifornischen Metropole mit 102 Stunden im Jahr weit mehr Zeit im Stillstand als hierzulande. Die Kosten, die durch Staus entstehen, werden zu einer immer größeren Belastung: Allein in Deutschland summieren sie sich auf rund 80 Milliarden Euro, das sind pro Fahrer und Jahr durchschnittlich 1.770 Euro. Sind die wirtschaftlichen und ökologischen Einbußen schon enorm, leidet zudem mehr und mehr auch die gesamte Lebensqualität in vielbefahrenen Metropolen – aufgrund von Smog und Stress.

Das Verkehrschaos vielerorts verlangt nach Lösungen. Die Mehrheit der Mobilitätskonzepte der Zukunft setzen auf Elektromobilität als Teil einer Verkehrswende – bei öffentlichen Verkehrsmitteln und privaten Nutzfahrzeugen. Für Deutschland erwarten Experten, dass Elektroautos Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren spätestens ab 2020 zunehmend ablösen, denn dann bringen die Hersteller vermehrt neue E-Auto-Modelle auf den Markt. Rund um den Globus wurden 2016 bereits über 750.000 E-Autos verkauft und mehr Elektrofahrzeuge zugelassen als je zuvor. China ist mit großem Abstand der Spitzenreiter. Hier gab es 336.000 Neuzulassungen. Mit einem etwa halb so hohen Zuwachs stehen die USA auf Platz Zwei. Derzeit konzentriert sich der Markt aber noch auf relativ wenige Länder. In Europa sind Norwegen, Großbritannien und Nordirland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Schweden führend. Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb erreichten in Norwegen sogar einen Marktanteil von 29 Prozent.

Das größte Potential für den Ausbau der Elektromobilität liegt in den Städten. Carsharing-Modelle mit E-Autos sind die zukunftsträchtigste Lösung, um gerade in Ballungsräumen die enorme Smogbelastung und das Verkehrschaos zu verringern sowie die Lebensqualität zu erhöhen. Dass sich die Elektromobilität in der Stadt und auf dem Land durchsetzen wird, darüber herrscht mittlerweile Konsens. Wann sie den Markt anführen wird, steht und fällt allerdings mit dem Ausbau der Ladeinfrastrukturen und der Etablierung des Carsharings. Auf dem Land wiederum sind derzeit die meisten Elektromobilitätspioniere unterwegs. Sie haben in vielen Fällen auch eine PV-Anlage und handeln aus Überzeugung. Tendenziell werden E-Mobilitätslösungen in größerem Maßstab aber zunächst Ballungsräumen mit großen Verkehrsproblemen erprobt. Dazu gehören dann auch passende Ladestationen für das Elektrofahrzeug  – nicht nur zuhause, sondern auch am Arbeitsplatz und auf dem Weg dazwischen. Smarte Verkehrs- und Parkleitsysteme, die mit Sensoren arbeiten und den Verkehr in Stoßzeiten flexibel umleiten, werden zusätzlich zur Entspannung des Verkehrs in den Städten der Zukunft beitragen.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet damit, dass bis 2025 global zwischen einer und sieben Millionen neuer Ladestationen für E-Autos zu den 2016 bereits installierten zwei Millionen Ladestationen dazukommen. Auch für den vermehrten Strombedarf hat die IEA eine positive Prognose: Die global zusätzlich benötigte Energie für die E-Mobilität schätzt sie je nach Entwicklung auf etwa 1,5 Prozent des weltweiten Gesamtenergiebedarfs 2030. Das würde nur etwa sechs Prozent des zusätzlichen Strombedarfs in der Industrie, im Wohn- und kommerziellen Sektor ausmachen. Insgesamt soll das gesamte Stromnetz flexibler werden: Forscher arbeiten weltweit an Smart Grid-Lösungen, die darauf setzen, Akkus von E-Autos als flexible Speicher ins Stromnetz einzubinden und so Lücken zwischen Erzeugung und Verbrauch zu schließen.

Die Aussichten sind also vielversprechend. Einige Technik-Start-ups arbeiten daran, Staus im Stadtverkehr mit Technologien rund um die Elektromobilität zu beseitigen. Dafür wollen sie den Verkehr in die dritte Dimension heben. Fliegende Taxis oder auch Hochgeschwindigkeitstunnel unter der Erde sind mögliche Lösungen für das heutige Verkehrschaos. Das Erstaunliche: Viele Techniken sind schon mehr oder weniger verkehrsreif.

Das vielleicht vielversprechendste Verkehrsmittel der Zukunft sieht aus wie eine überdimensionierte Kameradrohne und kommt ohne Piloten und mit reinem Elektroantrieb aus. Weltweit arbeiten derzeit etwa ein Dutzend Unternehmen an elektrisch fliegenden Autos, darunter Größen wie Airbus und Uber. Sie sehen darin die nächste mobile Revolution. Solche Flugtaxis könnten Passagiere etwa in einer Stunde von London nach Paris bringen: Das verspricht beispielsweise die Lufttaxi-Lösung eines Start-ups bei München. Ultraleichte Elektro-Flugzeug für den Privatgebrauch sollen irgendwann Autos, Taxis und Züge ersetzen. Trotz des strikt geregelten Luftraums in Deutschland könnte Pendeln mit dem Drohnentaxi auch hierzulande in 20 bis 30 Jahren zum Alltag gehören. Die Technik scheint fast ausgereift: Ein chinesisches Unternehmen meldete bereits Anfang 2018, dass ihm erste Passagierflüge mit einem Lufttaxi ohne Piloten geglückt sind.

Eine weitere Idee: Kapseln schießen mit Überschallgeschwindigkeit, also mehr als 1.000 Kilometern pro Stunde durch einen Tunnel im luftleeren Raum und machen die Welt zum Dorf: Die Strecke zwischen München und Berlin könnte der Hyperloop laut Homepage des Projekts in nur 39 Minuten überbrücken. Der Initiator ist als Elon Musk, der Mann, der hinter Tesla und SpaseX steckt. Er ist überzeugt, dass Hochgeschwindigkeitstunnel unter den Städten die Verkehrslösung der Zukunft sind. Obwohl die Technik sicher noch einige Jahre erprobt werden muss, hat im Dezember 2018 die Arbeit an einem ersten Loop-Tunnel in Los Angeles begonnen – allerdings soll der Verkehr hier noch ohne Vakuum und Hochgeschwindigkeit fließen. Module mit Elektroantrieb nehmen an Stationen bis zu 16 Menschen auf, fahren sie über Aufzüge in den Loop-Tunnel und sausen dann mit über 200 Kilometern pro Stunde unter der Stadt durch.

In Südamerika sind Seilbahnen als Nahverkehrsmittel mit Elektroantrieb längst der Renner: Kolumbiens zweitgrößte Stadt Medellín machte 2004 und 2007 mit den ersten Linien den Anfang, 2009 folgte Manizales in Kolumbien, 2010 Caracas in Venezuela, 2011 Rio de Janeiro in Brasilien, 2014 La Paz in Bolivien und 2015 Cali in Kolumbien. Auch hierzulande gibt es in Koblenz eine Seilbahn, die ursprünglich für die Bundesgartenschau 2011 eingerichtet wurde. Ansonsten sind Gondelsysteme im öffentlichen Nahverkehr deutscher Städte noch Zukunftsmusik. In Heidelberg, Ulm, Freiburg, Wuppertal, Bonn, Trier oder Bochum werden sie derzeit diskutiert. Große Pluspunkte sind, dass Seilbahnen schnell und günstig innerhalb weniger Monate errichtet sind, während der Bau einer U-Bahnstrecke sich gut und gerne zehn Jahre hinziehen kann. Sie könnten Nahverkehrslücken wie etwa zwischen verschiedenen U-Bahnlinien schließen und brauchen dabei wenig Platz.

Welche der Lösungen sich auch durchsetzen wird: Sicher ist, dass die Mobilitätswende kommt. Und sie wird in großen Teilen elektrisch sein – zu Wasser, zu Land und in der Luft.

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