Energiezukunft
Friedberg-Hügelshart

Bezugsfertig: Das Effizienzhaus lohnt sich!

Wenn jeder Eigenheimbesitzer seine Energie selbst produziert, wäre die Versorgung auf Dauer gesichert. Eine neue Siedlung in Friedberg-Hügelshart setzt ein derartiges Konzept erstmals in größerem Rahmen um.

Die Sonne ist längst untergegangen an diesem Herbstabend, doch ihre Kraft versorgt noch immer das ganze Haus – dank des ausgeklügelten Speichersystems steht der Sonnenstrom auch abends zur Verfügung. Während in der Küche eine Reispfanne auf dem Herd steht, könnte in der Garage der überschüssige Strom genutzt werden, um das Elektroauto aufzuladen – die Vision von einem Eigenheim, das mehr Energie produziert als seine Bewohner brauchen, ist Realität geworden.
Technisch möglich war das schon lange, es gab jedoch einen Knackpunkt: die Wirtschaftlichkeit. Jetzt ist es der Augsburger asset bauen wohnen gmbh in Kooperation mit der BayWa AG gelungen, in Friedberg-Hügelshart eine ganze Siedlung zu bauen, die mit einer hervorragenden Energiebilanz und angemessenen Verkaufspreisen punktet. Die ersten Eigenheimbesitzer sind bereits eingezogen. Sie freuen sich, dass die neun Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften nicht nur die Kriterien des Bundesbauministeriums für ein „Effizienzhaus Plus“ erfüllen, sondern auch genügend Strom produzieren, um den Teil ins öffentliche Netz einzuspeisen, der nicht sofort verbraucht wird oder gespeichert werden kann.

Hügelshart

„Bis zur Einweihungsfeier war es ein langer Weg“, erinnert sich Bernhard Jakob, Geschäftsführer der asset bauen wohnen gmbh. „Geebnet hat ihn ein Forschungsprojekt: Das Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa in Burghausen, gefördert von der Bundesinitiative ‚Zukunft Bau’. Es lieferte über zwei Jahre wichtige Daten, die als Grundlage für die Häuser in Friedberg-Hügelshart dienten.“ Entstehen sollte ein neuer Haustyp, der dem Endkunden eine energieeffiziente Massivbauweise bietet, die er sich auch leisten kann. Verschiedene Simulationsszenarien waren nötig, um die Variante mit dem besten Verhältnis aus Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit zu finden. Herzstück der Häuser ist die Photovoltaik-Anlage auf der verlängerten Dachseite im Süden. Bei den Einfamilienhäusern besteht sie aus 44 Solarmodulen und liefert einen durchschnittlichen Stromertrag von 14.200 Kilowattstunden (kWh) im Jahr. „Das ist deutlich mehr als die Familien selbst verbrauchen“, erläutert Bernhard Jakob. „Deren Bedarf liegt im Schnitt bei etwa 6.600 kWh.“ Aber natürlich gibt es Tage, an denen die Sonne nicht scheint. Auch dafür ist vorgesorgt. „Ein Teil des selbst erzeugten Stroms lädt einen leistungsfähigen Batteriespeicher“, so der Geschäftsführer der asset bauen wohnen gmbh. „Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die vorrangig mit Strom aus der Photovoltaik-Anlage betrieben wird, speichert die erzeugte Wärme in einen thermischen Wasserspeicher zwischen.“ Das erwärmte Wasser wird über eine Klimadecke im Haus verteilt und temperiert die Räume. So kommt die Wärme als Strahlungswärme, ähnlich wie bei der Sonne, von oben. Außerdem entsteht dabei kaum Konvektion, also Luftverwirbelungen, die man von konventionellen Heizungen kennt – ein Plus für Allergiker. Bei Bedarf kann die Decke sogar kühlen. „Das komplexe Zusammenspiel wird automatisch gesteuert, was für die Bewohner sehr komfortabel ist“, sagt Bernard Jakob nicht ohne Stolz. Unterm Strich wird eine Energieautarkie von bis zum 70 Prozent erreicht, inklusive Haushaltsstrom. „Überhaupt standen die Interessen der Bewohner ganz oben auf der Liste. Deshalb haben wir für jedes Haus alle denkbaren Parameter – sei es von der Qualität der Bodenplatte über die wirtschaftliche Gesamtbetrachtung des einzelnen Objekts bis zum vorhersehbaren Bedarf an Haushaltsstrom einer vierköpfigen Familie – ins Kalkül gezogen.“

Dazu gehört auch die Außenhaut. Denn effizient ist solch ein System nur, wenn keine Energie verloren geht. Dafür sorgt die einschalige Ziegelsteinbauweise. „Die Steine haben einen Kern aus natürlichem Gestein vulkanischen Ursprungs, das für sich hochwärmedämmend ist und keine zusätzliche Isolierung braucht“, erläutert Bernhard Jakob. „Die Fenster sind mit einer dreifachen Wärmeschutzverglasung ausgestattet. Zusätzlich verbessert wird die Energieeffizienz durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.“ Auch die Optik ist wohlbedacht: Dank der modernen, regionaltypischen Architektur sehen die Häuser noch dazu richtig gut aus.

„Die Bewohner sollen sich hier rundum wohlfühlen“, resümiert Bernhard Jakob. Also hat er bei der Planung einen weiteren Aspekt berücksichtigt – die Gesundheit. Energieeffiziente Gebäude zeichnen sich grundsätzlich durch einen geringen Luftaustausch aus. Denn Wärme – oder Kühle im Sommer – sollen ja in den Räumen bleiben. Das führt dazu, dass sich Schadstoffe, die in einem geringen Maße aus Baustoffen austreten können, gegebenenfalls in der Luft ansammeln. „Das haben wir vermieden, indem wir ausschließlich geprüft schadstoffarme Materialien verwendet haben“, sagt Bernhard Jakob. „Jedes Haus lassen wir dafür vom TÜV Rheinland prüfen und die guten Werte für die Wohngesundheit bestätigen. Die zentrale Lüftungsanlage sorgt außerdem für niedrige Kohlenstoffdioxidwerte und eine angenehme Raumhygiene.“
Alles in allem ist also ein Effizienzhaus Plus-Konzept entstanden, das flexibel und auf andere Siedlungen sowie Wohngebäude übertragbar ist. Bernhard Jacob ist überzeugt, Friedberg-Hügelshart wird sich als Referenzprojekt für die Zukunft bewähren. Mittlerweile ist die Siedlung bezogen, und die Bewohner teilen seine Auffassung. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer bescheinigte dem Projekt sogar Vorbildcharakter. „Eine moderne Bauweise und innovative Technologien – wie sie hier in Hügelshart vorzufinden sind – leisten einen wichtigen Beitrag zur Strom- und Wärmewende.“

Download PDF
Derzeit liegen noch nicht genügend Bewertungen vor.
Bewertung abgeben

Jetzt Newsmail abonnieren und gewinnen!

Melden Sie sich im Zeitraum vom 1. bis 28. Februar 2018 für die Newsmail von 75|60° an und bleiben Sie immer aktuell informiert. Unter allen Anmeldungen verlosen wir als Hauptpreis ein

Trikot des FC Bayern München Basketball.

2.-100. Preis: Praktische BayWa-Schlüsselbänder


Jetzt 75|60° Newsmail abonnieren