Digitalwelt
Drohne

Rasanter Aufstieg

Schneller, sicherer, effizienter – Flugdrohnen erleben einen Höhenflug bei industriellen Anwendungen. Auch für die Energiewirtschaft und die Landwirtschaft bieten sie großes Potenzial.

Der Ingenieur schaut sorgenvoll nach oben. Die Windkraftanlage, die er heute inspizieren möchte, ist erst seit wenigen Monaten in Betrieb, aber in der vergangenen Woche hat sich ein Gewitter direkt über dieser Anlage entladen. Er befürchtet, dass ein Blitz eines der Rotorblätter beschädigt haben könnte. Um das zu prüfen, musste sich bislang ein Techniker in fast hundert Metern Höhe von der Gondel abseilen. Sorgfältig gesichert natürlich, aber trotzdem nicht ganz risikofrei. Einen ganzen Nachmittag hätte das gedauert – nicht besonders effizient. Stattdessen drückt der Ingenieur auf die Fernbedienung in seiner Hand. Mit einem Surren startet eine Flugdrohne von der Ladefläche seines Lkw. Sie hat dieses Windrad schon einmal überflogen. Deswegen findet sie ihren Weg jetzt alleine. Nach einer guten Stunde ist sie fertig – Glück gehabt, der Blitz hat die Rotorblätter verschont.

Kommerzielle Flugdrohnen heben ab – so lässt sich die aktuelle Entwicklung am besten zusammenfassen. Es ist kein Zufall, dass die Unmanned Aircraft Vehicles (UAV), auf Deutsch „unbemannte Luftfahrzeuge“, auf der internationalen Computermesse CeBIT in einer eigenen Halle vertreten waren – Drohnen erschließen sich immer neue Einsatzfelder. Die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers LLP schätzt den weltweiten Wert der Business-Services, die in naher Zukunft durch Drohnen ersetzt werden können, sogar auf fast 120 Milliarden Euro.
Auch die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA geht von einer nahezu explosionsartigen Zunahme der kommerziell genutzten Drohnen aus. Innerhalb von fünf Jahren soll sich die Zahl der in den Vereinigten Staaten zugelassenen UAV verzehnfachen. Die Inspektion von Industrieanlagen und Einsatzgebiete in der Landwirtschaft liegen dabei bereits bei einem Anteil von 47 Prozent. „Auch in Deutschland wird der Markt rasant wachsen“, schätzt Uwe Nortmann, Leiter der Geschäftsstelle des deutschsprachigen Dachverband für unbemannte Luftfahrt in Europa (UAV DACH).

Ein Potenzial, das schnell gehoben werden kann, falls die Entwicklungen im bisherigen Tempo voranschreiten. Über Kameras, die einfache Luftbilder schießen oder die Welt von oben filmen, ist die Technik jedenfalls längst hinaus, wie einige Einsatzbeispiele in der Energiebranche zeigen. Bestückt mit Thermalkameras suchen Flugdrohnen dort unter anderem nach defekten Panels an Solaranlagen oder warnen vor heiß gelaufenen Windanlagengeneratoren. Dabei übertragen moderne Geräte die Daten bei Bedarf in Echtzeit an mobile Endgeräte. Noch wichtiger ist ihre Bedeutung für die Inspektion. Denn der Wirkungsgrad eines Windrades leidet, sobald die Kanten der Rotorblätter beschädigt sind. Regelmäßige Kontrollen sind also bares Geld für die Betreiber. Ein weiterer Vorteil zeigt sich, wenn Drohnen Hochspannungsleitungen abfliegen und nach Schäden suchen – die Leitungen bleiben dabei am Netz. Mit speziellen Sensoren an Bord messen Flugdrohnen auch Emissionen oder sammeln Umweltdaten ein. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sogar eine Drohne mit Roboterarm entwickelt, die zumindest sehr einfache Tätigkeiten ausführen kann – fliegende Wartungsroboter rücken damit in greifbare Nähe.

Noch deutlicher wird ihre Vielseitigkeit in der Landwirtschaft, da sie unter anderem einen großen Teil der Kontrollaufgaben übernehmen können. Auf ihren Flugbahnen entlang der Felder, die sie über GPS-Daten selbstständig finden, liefern sie Informationen über Erntezustand oder Schädlingsbefall von Pflanzen. Sie erkennen zu trockene oder zu feuchte Böden und zeigen Nährstoffmangel oder wetterbedingte Ernteausfälle auf. Zudem transportieren sie gezielt und günstig Schädlingsbekämpfungsmittel. Sie spüren Rehkitze auf, die sich im Maisfeld verstecken, sodass der Mähdrescher diesen rechtzeitig ausweichen kann. In Österreich ist bereits eine Drohne als Falke verkleidet unterwegs, die sogar die Schreie des Greifvogels imitiert – eine fliegende Vogelscheuche gegen die Staren-Schwärme.

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Abheben mit der BayWa

Die BayWa r.e. setzt bereits auf Flugdrohnen und bietet unter anderem für Betreiber von Solaranlagen einen PV-Drohnencheck an. Zu erkennen sind dabei unter anderem mechanische Schäden wie Glasbruch. Zusätzlich erfasst eine Wärmebildkamera Hotspots, mangelhafte Verschaltungen und ausgefallene Module – eine schnelle und günstige Sichtungsmöglichkeit, um einen möglichst hohen Wirkungsgrad zu sichern. Auch für die Inspektion der BayWa-Windkraftanlagen nutzen erfahrene Piloten diese innovative Technologie.

Stichwort Digital Farming: Landwirte können zudem von der biologischen Schädlingsbekämpfung durch Flugdrohnen profitieren. Sie überfliegen die Felder und verteilen gezielt Eier von Schlupfwespen, die wiederum Eigelege des schädlichen Maiszünslers parasitieren und so seine Vermehrung verhindern.

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