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Was Gutes zu futtern

Der weltweite Hunger auf Fleisch, Eier und Milch steigt. Hühner, Schweine und Rinder fressen riesige Mengen Futter. Wie bekommt man die vielen Nutztiere nachhaltig satt und das Futter zu den Tieren?

Auf der Erde gibt es etwa dreimal so viel Schweine, Rinder und Hühner wie Menschen. Der weltweite Hunger auf Fleisch und Milchprodukte verlangt nach immer mehr Nutztieren. Dieser Trend wird sich weiter verstärken: Denn die Weltbevölkerung wächst und die neue, hungrige Mittelklasse in Boomländern wie Brasilien, China oder Südafrika passt ihr Essverhalten dem westlichen Vorbild an. Aß ein chinesischer Landbewohner im Jahr 1990 noch 13,7 Kilo Fleisch, Eier und Milch, waren es 2011 schon 26,1 Kilo – fast das Doppelte. Bei den Städtern stieg der Konsum tierischer Lebensmittel im gleichen Zeitraum sogar auf 48,9 Kilo. Damit die Tiere die Menschen auch in Zukunft ernähren, brauchen sie große Mengen an Futter: Weltweit fressen Hühner, Schweine und Rinder circa eine Milliarde Tonnen Futter pro Jahr.

Allein in Deutschland werden jährlich rund 80 Millionen Tonnen Futtermittel ver­füttert. 53 Prozent davon sind Grün- und Trockenfutter (Heu) sowie Silagen aus Gras und Mais, 26 Prozent Mischfuttermittel und 21 Prozent hofeigenes Getreide sowie zugekaufte Einzelfuttermittel, darunter Weizen, Gerste, Mais, Roggen, Soja und Raps. Wie sich die Mischung genau zusammensetzt, ist von Tierart, Alter und ­Nutzung abhängig. Rinder brauchen als Wiederkäuer viel faserreiches Grünfutter wie Gras, Heu oder Silage, damit ihr Verdauungssystem funktioniert. Bei Schweinen ist der Getreideanteil höher. Experten helfen den Landwirten bei der Versorgung der Tiere, erstellen typgenaue „Menüpläne“ und berechnen aufs Gramm genau die Menge der Futterbeimischungen. „Das ist wichtig, damit es den Tieren gut geht und gleichzeitig die Leistung passt“, sagt Dr. Wolfgang Preißinger vom Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Eine exakt auf den Bedarf des Tieres ausgelegte Versorgung mit Nährstoffen schont zudem die Umwelt, da diese in der richtigen Menge eingesetzt und nicht verschwendet werden. So lässt sich der Aufwand an Futter und damit der Verbrauch an Rohstoffen und Energie verringern: Wurden in den 1950ern noch 5 Kilo Futter benötigt, um ein Kilo Schweinefleisch zu erzeugen, sind es heute nur noch 2,4 bis 2,7 Kilo.

Prinzipiell gibt es für den Landwirt beim Futter drei Möglichkeiten: Entweder er nimmt Alleinfutter, das er vollständig zukauft, oder er erntet das Getreide und vermengt es mit zugekauftem, eiweißreichem Ergänzungsfutter. Die dritte Variante: Er verwendet das eigene Getreide und kauft Soja oder Rapsschrot sowie Mineralfutter zu.

Einen Großteil des Futterbedarfs decken die deutschen Landwirte selbst, indem sie ihre Tiere auf Weiden grasen lassen, Mais oder Getreide als Futter anbauen. Ein Teil des heimischen Getreides geht zudem ins Ausland: Von 52 Millionen Tonnen Getreide, die im Wirtschaftsjahr 2014/15 bundesweit geerntet wurden, exportierte Deutschland knapp 11,4 Millionen Tonnen. Im gleichen Zeitraum wurden 1,1 Millionen Tonnen Mais importiert. Übrigens: Von der in Deutschland im Erntezeitraum 2013/14 geernteten Getreidemenge gingen etwa 60 Prozent in die Futtermittelproduktion, etwa 20 Prozent wurden zu Lebensmitteln verarbeitet.

Eiweiß wird in der EU vor allem eingeführt, da die EU-Länder nicht genug eiweißhaltige Pflanzen produzieren. Daher sind auch rund 27 Prozent des in Deutschland im Tierfutter enthaltenen Eiweißes Importe ­ ein Großteil kommt als Soja aus Brasilien, Argentinien und den USA. Sojabohnen wachsen dort im heißen und regenarmen Klima besser als in Europa, Soja lässt sich günstiger produzieren. Auch die asiatischen Schwellenländer führen in großem Umfang Sojaschrot und -bohnen ein, besonders China, das fast zwei Drittel des weltweit erzeugten Sojas importiert. Zwar gedeiht Soja in China gut, doch es mangelt an Agrarflächen, um die gestiegene Nachfrage zu decken.

Massengutfrachter

Mehr denn je braucht es daher eine leistungsstarke, eng verzahnte Logistik, um den wachsenden, weltweiten Bedarf an Futtermitteln abzudecken. Ein schneller Transport sichert konkurrenzfähige Preise und eine pünktliche Versorgung. Wichtige Faktoren beim Transport über die Weltmeere sind vollbeladene Großfrachter, kurze Liegezeiten in den Häfen und eine schnelle Entladung. „Noch wichtiger als Geschwindigkeit ist jedoch Verlässlichkeit“, betont Martijn van der Horst, Researcher für Hafenökonomie an der Erasmus-Universität Rotterdam. „Entscheidend ist dabei eine gute Koordination zwischen Schifffahrtsgesellschaft, Hafenterminal und Inlandslogistikunternehmen.“ Das Getreide wird idealerweise in vollbeladenen Massengutfrachtern der Panamax-Klasse mit durchschnittlich 60.000 Tonnen Ladung verschifft. Da Liegezeiten von Schiffen teuer sind, lagert es meist schon im Hafensilo. So können die Schiffe sofort beladen werden. Auch im europäischen Zielhafen muss ein Liegeplatz reserviert sein, sodass das Getreide nach der Fahrt über den Atlantik zeitnah entladen werden kann. Wichtigstes Drehkreuz ist der Hafen in Rotterdam, der mit Abstand größte Hafen Europas. Dort wird das Getreide im Hafensilo zwischengelagert oder gleich mit Lkws oder dem Güterzug zum Mischfutterwerk transportiert.

Trotz erfahrener Händler und eines umfassenden Wasserwegenetzes von insgesamt mehr als 37.000 Kilometer Länge kann es auch auf Europas Flüssen zu Engpässen kommen. Denn Wasserstraßen sind stark vom Wasserstand abhängig. Das führt dazu, dass die Frachtschiffe „leichtern“ müssen, indem sie ihre Ladung reduzieren oder gar nicht mehr beziehungsweise nur zu bestimmten Zeiten fahren können. „Zudem müssen die Händler einen Kleinwasseraufschlag auf die Frachtrate zahlen“, sagt Martijn van der Horst. Gut beobachten ließ sich dies im regenarmen Sommer 2015, als der niedrige Pegelstand der Donau die Versorgung Süddeutschlands mit Mais aus Ungarn erschwerte. Der Futtermittelhandel glich den Engpass jedoch rechtzeitig aus indem er unter anderem einen Teil der Schiffsfracht auf Züge sowie Lkws umlagerte.

Grobgetreide Futtergetreide
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„Eine bedarfsgerechte Fütterung ist wichtig, damit es den Tieren gut geht und die Leistung passt.“
Dr. Wolfgang Preißinger, Tiernahrungsexperte

TiefseeHafen Mukran

Die BayWa möchte den Ostseehafen Mukran bei Sassnitz auf Rügen gemeinsam mit der Fährhafen Sassnitz GmbH und der VIELA Export GmbH zu einem Tiefseehafen für den internationalen Agrarhandel ausbauen. Durch den Ausbau des Terminals und der Verbesserung der Wassertiefe auf 15 Meter sollen ab 2017 erste Großschiffe der Panamax-Klasse mit bis zu 80.000 Tonnen komplett in Mukran abgefertigt werden können. Aktuell ist das in Mukran nur teilweise möglich, der Rest der Fracht muss in Hamburg oder Rotterdam zugeladen werden. Zeitgleich plant die BayWa auch, Bahnanbindung und Lagerperipherie des Hafens zu erweitern. Neben dem Getreideexport soll der Hafen so auch als leistungsstarker Anlaufpunkt für den Import von Futtermitteln und Dünger gestärkt werden.

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