Technik auf dem Feld gestern und heute
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Um 1900: Landarbeit ist Handarbeit

Vor über hundert Jahren wurden die Felder in Deutschland und Europa noch ganz ähnlich gepflügt wie bereits 5.000 Jahre zuvor in Mesopotamien: meist zogen zwei Kühe einen Holzpflug über das Feld und ein Knecht zog mit einem Karren und viel Muskelkraft die Furchen.
Außer den eigenen Händen besaßen Bauern nur wenige Werkzeuge: das Anspanngeschirr für die Kühe oder bei reicheren Bauern Pferde, eine Egge, einen Wagen mit Ernteleitern, ein Jauchefass, Sensen und Dreschflegel für die Getreideernte.

Ab 1910: Motoren auf dem Acker


Mitte der 1850er-Jahre bildeten die dampfbetriebenen Seilpflüge von John Fowler die Vorhut für die Mechanisierung der Landwirtschaft. Sie waren allerdings noch schwer und unhandlich. In der Folgezeit wurden jedoch immer mehr technische Geräte für die mühsame Feldarbeit entwickelt, zunächst etwa Dresch- und Mähmaschinen.
Erst während des Ersten Weltkriegs wurden die ersten richtungsweisenden Schlepper in den USA konstruiert und gingen hier dann auch in die Serienfertigung. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es hierzulande teilweise Experimente mit Zugmaschinen für Kanonen auf dem Acker. Ein geflügeltes Wort der Zeit lautete dementsprechend: "Der Trecker stinkt und raucht und geht niemals, wenn man ihn braucht!".

Dennoch: Feldmaschinen waren stärker und auf Dauer günstiger, da dank ihnen Tagelöhner als Hilfskräfte und Pferde eingespart werden konnten. Ihr Einzug auf deutschen Äckern verlief jedoch weiterhin schleppend. Erst mit der Serienfertigung von Rohöl-Traktoren wie dem Großbulldog durch die Firma Lanz ab 1929 oder dem Fendt-Dieselross, das aus einer Mähmaschine mit Aufbaumotor entwickelt wurde, kamen Traktoren vermehrt zum Einsatz.
Quellen: historisches-lexikon-bayerns.de; AGCO/Fendt 2018.

Fahren auf Luft

Erst 1934 wurden in Deutschland die ersten Schlepper-Modelle mit Luftreifen hergestellt, als Continental die ersten Niederdruckreifen an Lanz lieferte. Was heute selbstverständlich ist, war damals ein Novum: Zuvor hatte man umständlich Eisen- durch Elastikreifen austauschen müssen, wenn man vom Feld auf die Straße fahren wollte und umgekehrt. Die Gummireifen machten den entscheidenden Unterschied im Fahrgefühl und verdrängten die alten Räder rasch. Mit ihnen legten Traktoren auf der Straße ganz neue Geschwindigkeiten von bis zu 25 Kilometer pro Stunde zurück und sie schonten Acker und Wiese.
Auch der Dieselmotor trug dazu bei, dass Traktoren rentabler wurden, da er einen vergleichsweise niedrigen Verbrauch hatte und der Dieselkraftstoff günstiger zu haben war.
Quelle: Ein Jahrhundert Automobiltechnik (Olaf von Fersen, Hrsg.).

1950er-Jahre: Traktorenboom

In den 1950er-Jahren gab es so viele verschiedene Marken und Zulassungen wie nie mehr danach. Der Höhepunkt war das Jahr 1955 mit fast 100.000 in der Bundesrepublik zugelassenen Schleppern. Seit 1990 haben sich die jährlichen Zulassungen in Deutschland auf rund 30.000 eingependelt. Von ehemals zahlreichen deutschen Unternehmen stellen heute nur noch wenige Landmaschinen her, wie etwa die Firma Fendt.
Quellen: AGCO/Fendt 2018, Ein Jahrhundert Automobiltechnik (Olaf von Fersen, Hrsg.).

Erster selbstfahrender Mähdrescher

Bereits 1953 brachte die Firma Claas den ersten selbstfahrenden Mähdrescher auf den Markt.
Quelle: Claas, 2018.

1960er- und 1970er-Jahre: Technikboom

Unterschiedlichste Modelle von Mähdreschern, Feldhäckslern, Ladewagen und Pressen kamen auf den Markt. Bis Mitte der 1970er-Jahre war die moderne landwirtschaftliche Technik auf fast allen Höfen angekommen.

2016: Viel weniger Landwirte, viel mehr Ertrag


Von Jahr zu Jahr sind weniger Menschen in der Landwirtschaft tätig. Ihr prozentualer Anteil lag 2016 nur noch bei 1,4 Prozent. Die Zahl der Großbetriebe wächst stetig. Ein Landwirt ernährt heute durchschnittlich 135 Menschen.

Um 1900 waren es neben der eigenen Familie und Tagelöhnern nur drei, um 1950 etwa zehn Menschen, die ein Landwirt im Schnitt mit Nahrung versorgte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag der Anteil der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft noch bei satten 38 Prozent. Der Ertrag auf einem Hektar hat sich jedoch zugleich enorm gesteigert und ist heute viermal so hoch wie vor hundert Jahren.
Quelle: Deutscher Bauernverband: Situationsbericht 2017/2018.

2017: Der Roboter-Schwarm bestellt das Feld

Eine Flotte kleiner Robotereinheiten führt im Team die Aussaat von Mais auf dem Feld aus. Dabei kommunizieren die einzelnen Geräte in Echtzeit per Cloud miteinander: Hand in Hand planen, kontrollieren und dokumentieren die rein elektrisch angetriebenen Einheiten die Aussaht. Eine Satellitennavigation berechnet die kürzesten Routen des Roboter-Teams. Innerhalb einer Stunde bewerkstelligt es vollautomatisch die Aussaat auf bis zu einem Hektar Boden.
Der Landwirt hat alle Daten immer und überall per App im Blick und weiß auf den Millimeter genau, wo jedes einzelne Saatkorn gesetzt wurde. Dadurch lassen sich Dünge- und Pflanzenschutzmittel sparsam und präzise ausbringen. Fendt hat genau diese Technik mit dem Xaver Feldrobotersystem Ende 2017 vorgestellt.
Quelle: AGCO/Fendt 2018.

Heute: Der moderne Schlepper

Heutige Schlepper haben mit den alten Traktoren kaum noch etwas gemeinsam. Früher gab es übersichtliche, hauptsächlich mechanische Konstruktionen mit vier bis fünf Vorwärtsgängen, einem Rückwärtsgang und durchschnittlich 20 bis 30 Pferdestärken (PS).
Die Hightech-Maschinen von heute haben 40 und mehr Vorwärtsgänge oder gar stufenlose Getriebe. Ihre Durchschnittsleistung liegt bei weltweit ca. 150 PS; es gibt auch Maschinen mit 300 PS und mehr. Allradantrieb ist Standard. Was sind hier die allerneuesten Entwicklungen?

Heute: Precision Farming

Viele Abläufe auf dem Feld werden in der smarten Präzisionslandwirtschaft zunehmend automatisiert. Ausgehend von Daten zu Boden, Pflanzen, der Wasserversorgung und den eingesetzten Landmaschinen kann gezielt gesät, gedüngt und bewässert werden. Satelliten, Drohnen, Agrar-Apps und Sensoren liefern und verarbeiten die Daten des Felds in Echtzeit.