Agrartrend
Kiwi

Superfood-Beere als Exportschlager

Kiwis stecken voller gesunder Inhaltsstoffe, lassen sich gut lagern und sind richtig lecker. Kein Wunder, dass die weltweiten Anbauflächen in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen sind.

Neuseeland ist ein Schmelztiegel aus verschiedenen Kulturen. Nicht nur die Maori haben das Land geprägt, sondern auch Einwanderer aus Europa, Asien und der gesamten Pazifik-Region. Da verwundert es nicht, dass die wohl bekannteste Frucht des Landes ebenfalls ein Immigrant ist: die Kiwi. Sie reiste 1904 als Saatgut auf die Insel, damals noch unter dem Namen „chinesische Stachelbeere“. Raue Schale, weicher Kern – sie passte so gut zu den Neuseeländern, dass heute wohl kaum noch jemand über ihre eigentliche Herkunft aus China nachdenkt. Schließlich waren es auch die Neuseeländer, die der Frucht Anfang der 1950er-Jahre mit den ersten Exporten zu internationalem Erfolg verhalfen und ihr dafür einen neuen Namen gaben: Kiwi heißt der Nationalvogel der Insel, gleichzeitig ist es der Spitzname der Bewohner, und so nannten sie die von ihnen angebaute Frucht zur besseren Vermarktung eben „Kiwifruit“.

Heute ist die Kiwi unter allen Gemüse- und Obstsorten Neuseelands immer noch der größte Exportschlager, mit einem Volumen von über anderthalb Milliarden US-Dollar in 2016. Die wichtigsten Abnehmer sind die Europäische Union und Japan. In China, dem ursprünglichen Herkunftsland der Kiwi, werden heute mehr als die Hälfte der weltweit angebauten Früchte geerntet – allerdings fast ausschließlich für den Eigenbedarf. Der kommerzielle Anbau von Kiwis hat in China nichtsdestotrotz erst 1978 begonnen. Italien ist nach China der zweitgrößte Kiwi-Produzent und erntete 2014 nahezu 507 Tausend Tonnen. An dritter Stelle weltweit folgt Neuseeland mit über 410 Tausend Tonnen Früchten. Chile steht mit einer Produktion von 266 Tausend Tonnen auf Platz vier der Top Ten-Produzenten.

Die Beliebtheit der Kiwi hängt auf der einen Seite mit ihren Inhaltsstoffen zusammen. Sie gilt unter anderem als wichtiger Vitamin-C-Lieferant, denn eine Frucht hat mehr Vitamin C als zwei Orangen. Zudem enthält sie einen überdurchschnittlich hohen Kalium-Anteil. Dieses Elektrolyt ist wichtig für eine gesunde Muskel-, Nerven- und Herzfunktion des Körpers und reguliert den Blutdruck mit. Ein weiterer entscheidender Vorteil von Kiwis ist, dass sie gekühlt problemlos mehrere Monate lang gelagert werden können und daher in der Regel kostengünstig per Schiff zum Verbraucher reisen.

Geerntet wird sie, je nach Sorte, in Neuseeland schon ab März, bis in den Spätsommer hinein, in Italien ist hingegen zwischen November und Januar Saison und beispielsweise in Kalifornien zwischen Januar und Mai. Das sichert die Verfügbarkeit über das ganze Jahr hinweg. Die Anbaugebiete der Kiwis ähneln optisch übrigens Weingegenden. Die Setzlinge werden in Reihen gepflanzt und bilden anhand von Klettergerüsten nach oben hin rankende Lianen aus, an denen die Beeren reifen.

Kiwiplantage

Gepflückt werden die Früchte im noch unreifen Zustand. Für den Zeitpunkt ist der Brix-Wert entscheidend, der den Zuckergehalt im Kiwisaft beschreibt. Die Erntehelfer entfernen die Stiele und legen die eiförmigen Beeren in Kisten. Druckstellen müssen beim Transport unbedingt vermieden werden, weswegen Kiwis nur einlagig verpackt und durch Plastikeinsätze gut gesichert werden, damit sie nicht gegeneinander rollen. In Neuseeland ist die Bay of Plenty auf der Nordinsel die wichtigste Region für den Kiwianbau, mit Tauranga als dem größten Hafen der Region. Von dort aus geht es mit einer Reisezeit von drei bis vier Wochen nach Tarragona in Spanien oder Seebrügge in Belgien, anschließend unter anderem weiter über den Rhein nach Deutschland. Dabei ist nichts so wichtig wie die richtige Temperatur. Spezielle Kühl-Container und klimatisierte Transporter sorgen dafür, dass die Kiwis nicht warm werden. Denn sobald die Umgebungstemperatur steigt, reifen die Früchte innerhalb weniger Tage nach. Die Folge: Der Brix-Wert steigt, was spätestens im Supermarkt erwünscht ist. Auch bei langer Lagerung werden Kiwis in erster Linie als Frischobst verkauft und anschließend geschält oder gelöffelt verzehrt. Übrigens: Die Schale ist ebenfalls essbar. Lediglich die Chinesen verarbeiten 20 bis 30 Prozent der Früchte weiter, unter anderem zu Saft, Marmeladen, Sirup und Trockenobst.

Der Siegeszug der Kiwi ist jedenfalls ungebrochen und nimmt aktuell wieder kräftig an Fahrt auf. Von 2014 auf 2015 ist die Produktionsmenge allein in Neuseeland um etwa 30 Prozent gestiegen, und Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. Zu verdanken ist das vor allem einer neuen Sorte, die wegen ihres gelblichen Fruchtfleisches als goldene Kiwi bezeichnet wird. Sie enthält weniger Säure als ihre grünen Verwandten, ist daher magenschonender und schmeckt süßer. Gezüchtet wurde sie wiederum in Neuseeland, wo ihr Anbaugebiet inzwischen etwa ein Fünftel der Kiwi-Fläche ausmacht. Die Chinesen haben übrigens zusätzlich eine Kiwi mit rotem Fruchtfleisch auf den Markt gebracht, die noch süßer ist als die goldene, sich jedoch bislang nicht in größerem Umfang durchgesetzt hat. Auch in Neuseeland wird die rote Kiwi inzsichen angepflanzt.
Für Neuzüchtungen ist allerdings nicht nur der Geschmack ein wichtiges Kriterium. Auch die Resistenz gegenüber Bakterien wie dem aus China stammenden Pseudomonas syringae pv. actinidiae (PSA) ist entscheidend. Hier wurden in letzter Zeit Erfolge bei Züchtungen erzielt. Es gibt neue Varianten auf dem Markt, die gegen PSA so weit wie möglich resistent sind, beispielsweise Gold3, die unter dem Namen SunGold vermarktet wird. Ein treffender Name, denn die Kiwi ist für die Neuseeländer ohne Frage auch heute noch ein Goldschatz.

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Was ist Kiwikrebs?

Das Bakterium Pseudomonas syringae pv. actinidiae (PSA) stammt aus China, trat in Europa erstmals 1993 auf und verursachte in den letzten Jahren ernste Schädigungen bei Kiwi-Produzenten rund um den Globus. Kiwi-Bestände ganzer Plantagen starben ab. Im Erntezeitraum 2013/2014 brach die Produktion der Gold-Kiwis ein – das Erntevolumen reduzierte sich um 55 Prozent. Das Bakterium greift Kiwiknospen und -blüten im Frühjahr an, sodass sie sich braun verfärben. Auch die Blätter der Pflanzen bekommen braune Flecken und schließlich greift PSA die Rinde der Pflanzenstöcke an. Mit Wind und Regen verbreitet die Pflanzenkrankheit sich rasch über die Bestände. Nicht-resistente Kiwistauden, die befallen sind, verwelken schließlich im Sommer, bevor sie Früchte tragen können. Mittlerweile befindet sich PSA jedoch dank der resistenten neuen Züchtungen auf dem Rückzug. Ein großer Erfolg für Forschung und Industrie.

Potenzial erkannt

Dass es Kiwis gibt, ist T&G Global zu verdanken. Sie gehörte in den 1950-er-Jahren noch unter der Firmenbezeichnung Turners & Growers zu den ersten Unternehmen, die Kiwis per Schiffsfracht exportierten. Eine Erfolgsreise rund um die Welt begann. Heute beliefert T&G Global vor allem die Märkte in Australia, China, Myanmar, Thailand, Cambodia and Laos. Die BayWa ist Mehrheitsgesellschafter von T&G Global.