Agrartrend
Sojabohnen

Sojahandel – eine Bohne macht Karriere

Sojabohnen sind für die Ernährung von Mensch und Tier unverzichtbar geworden. Die Hülsenfrüchte stecken nicht nur in Sojaöl und Tofu, sondern auch indirekt im Fleisch. Sie sind ein wichtiger Rohstoff für Tierfutter.

Marinade, Kräutermantel oder paniert mit Sesamkörnern und Semmelbröseln? Vegetarier und Veganer haben bei der Zubereitung von Tofu viele Möglichkeiten. Heute steht die Hamburgerin Susanne Riekel in ihrer Küche und bereitet ein Tofu-Gericht zu. Den hellen Würfel hat sie bereits aus der Packung genommen und zwischen Küchentüchern ausgepresst, damit er Gewürze besser annimmt. Seit sie sich vegetarisch ernährt, ist sie zu einer wahren Tofu-Expertin geworden. Schließlich will sie die Proteine aus dem Fleisch auf ihrem Speiseplan ersetzen, und da sind Produkte aus Soja eine prima Alternative.

Bevor die Bohne als Tofu auf unseren Tischen landet, hat sie nicht nur eine weite Reise, sondern auch einige Verarbeitungsschritte hinter sich. Gewonnen wird Tofu aus den Früchten der Sojabohne. Die Pflanze gehört zu den sogenannten Schmetterlingsblütlern und wird knapp einen Meter hoch. Die Früchte bestehen aus Hülsen mit jeweils zwei bis drei Bohnen, die außergewöhnlich gehaltvoll sind: Ihr Eiweißanteil liegt, abhängig von der Sorte, bei bis zu 50 Prozent. Zudem enthält die Frucht alle Aminosäuren, die für den Menschen überlebenswichtig sind. Reich an den Vitaminen B1, B6, Folat sowie den Mineralstoffen Eisen, Magnesium und Zink ist die Bohne auch noch. Der Ölgehalt schwankt zwischen 15 und 21 Prozent. All das erklärt die herausragende Stellung in der Nahrungsmittelproduktion: Soja ist weltweit eine wichtige Grundlage zur Herstellung proteinhaltigen Tierfutters, und das Öl, das aus den Bohnen gewonnen wird, gehört zu den international am häufigsten genutzten Pflanzenölen.

Zusätzlichen Aufwind erfahren Sojaprodukte durch Ernährungstrends in vielen Industrieländern. Die Zahl der Vegetarier nimmt zu – allein in Deutschland verzichten mittlerweile etwas mehr als vier Prozent der Erwachsenen auf Fleisch. Noch relevanter ist aber wohl die Tendenz zu gesunder Ernährung. In den USA beispielsweise versuchen viele Bürger laut einer Studie, verstärkt Proteine pflanzlichen Ursprungs zu sich zu nehmen. Die Soja-Produktpalette hat sich entsprechend vergrößert: zum Beispiel Tofu, Joghurt, Quark, Margarine und natürlich Sojamilch. Gewonnen wird sie übrigens aus ganzen Bohnen. Diese werden zunächst zerkleinert und dann in Wasser gekocht. Die Flüssigkeit wird gefiltert und das Ergebnis ist Sojamilch. Durch Gerinnungsmittel entsteht daraus eine feste Masse, ähnlich wie bei der Käseherstellung – der Tofu. Beide Produkte haben also einen sehr hohen Wasseranteil, teilweise von bis zu 90 Prozent.

Das Landwirtschaftsministerium der USA schätzt, dass in der Saison 2017/2018 die Soja-Produktion pro Jahr rund 345 Millionen Tonnen betragen wird. 2010 waren es noch 264 Millionen Tonnen. Menschliche Ernährungstrends wie Veganismus sowie der gleichzeitig weltweit steigende Fleischkonsum sind dafür die Treiber. Denn Soja spielt auch eine herausragende Rolle in der Ernährung von Tieren – die Tierfutterbranche ist nach wie vor Hauptabnehmer.

Gut 10.000 Kilometer weiter westlich. Fernando Sanchez zerdrückt eine Hülse zwischen seinen Fingern und pult eine Bohne heraus. Die Plantage bei Balsas in Brasilien kann bald geerntet werden  Die Bedingungen waren für die Sojabohne ideal in den vergangenen Monaten: hohe Temperaturen und viel Wasser zu Beginn der Wachstumsphase. Süd- und Nordamerika sind die wichtigsten Anbaugebiete. Die USA stehen mit 115 Millionen auf Platz eins, gefolgt von Brasilien (113 Mio.) und Argentinien (57 Mio). Fast zwei Drittel des Exports gelangen in Massengutfrachtern nach China, der Rest nach Europa. Verarbeitet werden die Bohnen entweder direkt am Ort der Erzeugung oder erst am Zielort: Beim Zerkleinern wird zunächst das Öl entzogen. Als Produkte verbleiben zu 75 Prozent Sojamehl und ein kleiner Teil Hülsen, beides Zutaten für Tierfutter. Ein Teil des Öls wiederum wird zu Speiseöl weiterverarbeitet. Im Zuge alternativer Mobilitätskonzepten gewinnt auch die Herstellung von Biodiesel an Bedeutung.

Fernando Sanchez aber hat für seine Bohnen einen anderen Weg gewählt. Sie gehen an einen Tofu-Hersteller in Hamburg und von da gelangen sie über den Einzelhandel auch auf Susanne Riekels Tisch. Sie schaut sich genau an, woher ihr Tofu kommt und achtet immer darauf, dass die Packung ein Zertifikat von ProTerra hat: Ihre Ernährung soll nicht nur gesund, sondern auch nachhaltig sein.

Download PDF
 
 
 
 
 
4 von 5 Sternen / 6 Bewertungen
Bewertung abgeben

Nachhaltigkeit im Blick

Die BayWa AG gehört mit der Konzerngesellschaft Cefetra zu den größten Sojaschrot-Importeuren in Europa – 25 verschiedene Häfen in Europa fahren die Massengutfrachter an, wobei die Niederlande, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Polen zu den wichtigsten Abnehmern gehören. Vertrieben wird der Sojaschrot europaweit zur Herstellung von Tierfutter.

Für den Handel mit Soja legt die BayWa sehr strenge Kriterien an. Denn sie gehört zu den Vorreitern des nachhaltigen Anbaus und hat mit Certified Responsible Soy (CRS) (www.certifiedsoya.com) einen eigenen Standard geschaffen. Vertrieben wird aber auch Soja, das die Bedingungen anderer Zertifizierungen erfüllt, etwa des Round Table on Responsible Soy (RTRS) (www.responsiblesoy.org) oder von ProTerra (www.cert-id.eu). Ziel ist Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette.