Agrartrend
Im Fokus
Prof. Lutz

Pulsierender Kontinent

Die BayWa will sich künftig bei ihren internationalen Aktivitäten verstärkt in Afrika engagieren. Ein Gespräch über den Wachstumsmarkt und lokale Kooperationen mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Klaus Josef Lutz.

Afrika ist ein pulsierender Kontinent, der sich rasant entwickelt. Leider hat er oft ein anderes, negatives Image – aber wir treffen auf junge, häufig gut qualifizierte Menschen. Sie wollen etwas bewegen und sind offen für technologische Neuerungen. Das gilt besonders für den Agrarsektor: Landwirte mit Handys sind vielerorts ein fast alltägliches Bild; immer mehr setzen moderne Maschinen auf ihren Feldern ein. Und genau hier setzen wir mit unserem Know-how an und kooperieren mit lokalen Partnern.

Beim Thema Digitalisierung der Landwirtschaft sind wir bereits Marktführer in Deutschland und streben dies auch für Europa an. Außerdem gehen wir gezielt in Wachstumsmärkte. Unsere Experten haben ein spezielles Portfolio entwickelt, mit dem wir dem Landwirt alles aus einer Hand anbieten können – von Precision-Farming bis zu Farm-Management-Systemen. Wir nennen das Digital Farming. In Afrika sehen wir dafür großes Potenzial.

Einiges. Wir haben im vergangenen Jahr ein Joint Venture für Landtechnikvertrieb mit Barloworld Limited in Sambia gegründet. Als regional beheimatetes Unternehmen kennt sich Barloworld mit den Marktverhältnissen und der Infrastruktur bestens aus, wir steuern unser Wissen in Sachen Beratung, Vertrieb und Service bei.

Uns geht es nicht hauptsächlich darum, große Maschinen zu vertreiben, sondern auch Angebote für kleine und mittlere Betriebe zu schaffen. Es ist uns sehr wichtig, Kleinbauern und dörfliche Kooperationen zu unterstützen, damit sie ihre Erträge steigern können und der Arbeitsalltag erleichtert wird.

Die Finanzierung ist ein zentrales Thema. Es gilt, für alle Betriebsgrößen Lösungen zu finden, die den Landwirten nützen und sie nicht in den Ruin treiben; etwa im Rahmen von Kooperationen mit Banken und Nichtregierungsorganisationen. Um Landtechnik für Kleinbauern bereitzustellen, unterstützen wir den Aufbau von Maschinenringen – also den Zusammenschluss von Landwirten mit dem Ziel, Geräte gemeinsam zu nutzen.

Ja, sicher. Und darin sehe ich auch nichts Falsches. Afrika ist ein Kontinent, der sich theoretisch selbst versorgen könnte und nicht jedes Jahr auf Lebensmittelimporte angewiesen sein müsste. Das Potenzial an landwirtschaftlichen Flächen ist vorhanden. Ich wünsche mir, dass die Länder in der Lage sind, sich nicht nur selbst zu ernähren, sondern verstärkt in den Export gehen können. Dazu sollten wir beitragen und gleichzeitig geschäftliche Chancen nutzen. Also eine klassische Win-Win-Situation.

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