Agrartrend
Alte Getreidesorten liegen wieder im Trend

Comeback alter Körner

Sie heißen Emmer oder Einkorn und sind schon fast in Vergessenheit geraten. Dabei sind aus ihnen viele der bekannten Getreidesorten entstanden, die für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung unentbehrlich sind. Aber auch die alten Sorten erleben eine Renaissance.

Zwei schmale Reihen mit einzelnen Körnern an einer fast filigran aussehenden Ähre – von hohen Erträgen kann beim Einkorn wirklich keine Rede sein. Doch sein Potenzial haben die Menschen schon vor vielen Tausend Jahren erkannt. Getreide ist der Oberbegriff für verschiedene gezüchtete Kulturpflanzen und deren Samenkörner. Echtes Getreide gehört zur Familie der Gräser und wird in nahezu allen Klimazonen der Erde in unterschiedlichen Anteilen angebaut. Am stärksten vertreten sind Weizen, Mais und Reis, gefolgt von Gerste und Hirse. Weitere wichtige Sorten sind Hafer, Roggen, Buchweizen und Dinkel.

Wintergerste

Weltweit am weitesten verbreitet ist herkömmlicher Weizen zur Brot-Herstellung. Auch Mais ist weitläufig vertreten, was unter anderem mit der großen Sortenvielfalt zusammenhängt – er wächst sogar in den Tropen mit hohen Erträgen. Christopher Kolumbus brachte ihn von Haiti nach Europa. Reis, eine der günstigsten Quellen für Energie und Proteine, spielt vor allem in Asien eine große Rolle. Dort wachsen um die 90 Prozent der weltweiten Produktion, international gehandelt wird er aber nur im einstelligen Prozentbereich.

Einkorn

Weltweit hängt die Ernährung in einem wesentlichen Maß vom Getreide ab. Und die Weltbevölkerung wächst: 2050 soll sie bei mehr als neun Milliarden Menschen liegen. Der Getreideanbau teilt sich in zwei Varianten: Auf der einen Seite steht die hoch entwickelte Landwirtschaft der Industrieländer mit speziell gezüchteten Sorten und immer besserem Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Auf der anderen Seite werden weltweit 85 Prozent der Höfe von Kleinbauern bewirtschaftet, die weniger als zwei Hektar Fläche zur Verfügung haben. Zusammengenommen macht das mehr als 60 Prozent der globalen Anbauflächen aus, vor allem in Asien und Afrika. Während die Kleinbauern ihre Produkte oftmals in näherem Umkreis vertreiben, liefern die größeren Betriebe an Handelsunternehmen. Diese verkaufen die Ware weiter – an regionale Mühlen und Verarbeiter sowie auf den internationalen Märkten.

Zusammen mit den USA gehört Russland mittlerweile zu den Hauptexporteuren von Getreide. Im Dezember 2017 kann das Land seine Weizen-Exporte voraussichtlich auf 33,5 Millionen Tonnen erhöhen. Damit lässt Russland als weltweiter Top-Exporteur von Weizen die USA deutlich hinter sich, die etwa 26,5 Millionen Tonnen verschiffen werden und damit an dritter Stelle stehen. Denn die Europäische Union wird etwa 28,5 Millionen Tonnen Weizen exportieren und rückt damit auf den zweiten Platz. Canada nimmt mit einer Prognose von etwa 22 Millionen Tonnen Weizen den vierten Rang ein.

Eine Gemeinsamkeit von Weizen, Mais und Reis ist ihre große Sortenvielfalt. Das heißt auch: Die Züchtungen sind weit von den ursprünglichen Wildpflanzen entfernt. Ursprünglich stammt der Weizen aus dem Nahen Osten sowie den Bergen Äthiopiens. Er zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Seine Wildform wurde vermutlich schon vor über 10.000 Jahren gesammelt und durch Einkreuzung von Wildgrasarten verändert. Einkorn und Emmer waren daran maßgeblich beteiligt. Das lässt sich heute anhand von Genanalysen nachweisen.

Alte Sorten rücken heute wieder stärker in den Fokus. Der Trend zu einer gesunden Ernährung lässt den Bedarf an Emmer, Einkorn und Co. steigen. Die Gründe: Das Korn dieser Sorten ist ursprünglicher, nährstoffreicher und gilt als geschmacksintensiver. Allerdings sind auch die Erträge pro Fläche deutlich geringer. Die Produktionsmengen sind derzeit noch so klein, dass sie in internationalen Datenbanken nicht erfasst werden. Trotzdem lohnen sich alte Getreidesorten, wenn sie regional vermarktet und gelabelt werden. Schließlich erzielen sie gegenüber Weizen einen signifikant höheren Preis: Gründe dafür sind gesteigerte Produktionskosten bei alten Sorten, die mit deutlich niedrigeren Erträgen einhergehen und die hohe Qualität dieses Getreides. Insgesamt steht hier eine vermehrte Nachfrage einem relativ geringen Angebot gegenüber.

Download PDF
Derzeit liegen noch nicht genügend Bewertungen vor.
Bewertung abgeben

Vielfalt im Angebot

Die BayWa bedient auf dem Getreidemarkt die komplette Bandbreite und beliefert sowohl Großmühlen mit qualitativ hochwertigen Produkten als auch kleinere, spezialisierte Anbieter, die zusätzlich alte Getreidesorten wie Dinkel und Emmer im Programm haben.