Bio-Landwirtschaft

Bio-Landwirtschaft global

Der Absatz von Bio-Produkten nimmt weltweit immer weiter zu. Auch die Produktion steigt dementsprechend in den letzten Jahren. Wachstum in Bio-Qualität hat weltweit Perspektive.
Biologisch bewirtschaftete Äcker 2016 nach Regionen

Weltweit gibt es in 178 Ländern Bio-Bauern. Zum Vergleich: Die UNO zählt derzeit 193 Mitgliedsstaaten. Die Top Drei Bio-Produzenten sind Australien, Argentinien und China. Insgesamt stieg der weltweite Absatz von Bio-Nahrungsmitteln allein im Verlauf des Jahres 2016 um etwa zehn Prozent auf 89,7 Milliarden US-Dollar an. 90 Prozent aller Bio-Nahrungsmittel werden in Nordamerika und Europa verkauft. Deutschland steht übrigens auf Platz Zwei der Länder mit dem größten Markt für Bio-Produkte. Das toppen nur noch die USA. Am meisten Geld für Bio-Produkte geben die Schweizer aus, pro Kopf sind das im Jahr 274 Euro.

Länder mit über zehn Prozent biologisch bewirtschafteten Ackerflächen 2016

Rund um den Globus gibt es 57,8 Millionen Hektar mit biologischer Landwirtschaft. Diese Fläche ist seit 2015 um satte 15 Prozent, also 7,5 Millionen Hektar, gewachsen. Noch interessanter ist die langfristige Entwicklung: Seit 1999 hat sich die Fläche, auf der Bio-Pflanzen wachsen und Tiere ökologisch gehalten werden, sogar verfünffacht. Damals waren es noch 11 Millionen Hektar. Dennoch bleibt es ein Spezialmarkt: „Nur“ 1,2 Prozent der weltweiten Agrarfläche werden derzeit organisch bewirtschaftet. Kurios: Das Land mit dem größten prozentualen Anteil an biologisch bewirtschafteter Ackerfläche ist Liechtenstein, mit fast 38 Prozent. Auch viele Inseln haben einen hohen Anteil an Bio-Landwirtschaft, so zum Beispiel Französisch Polynesien und Samoa. 

Steigende Zahlen: Bio-Landwirte weltweit

Fast die Hälfte der weltweit in Bio-Landwirtschaft bewirtschafteten Fläche liegt in Ozeanien. Die zahlenmäßig meisten Bio-Produzenten wirtschaften jedoch in Indien, dahinter kommen Uganda und Mexiko. Über 84 Prozent der Bio-Farmer arbeiten in Asien, Afrika und Lateinamerika. Ihre Reihen verdichten sich: Seit 2015 stiegt ihre Zahl um über 13 Prozent, es kamen also über 300.000 Biobauern hinzu.

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André Weidauer

Drei Fragen an André Weidauer

André Weidauer ist Projektleiter in der Abteilung Elektronenstrahlprozesse beim Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP). Der Diplom-Ingenieur für Chemieingenieurwesen leitet Projekte im Bereich Niederenergieelektronenstrahlung mit dem Schwerpunkt Saatgutbehandlung.

 1. Was muss man bei der Behandlung von Saatgut für den ökologischen Landbau beachten?

Schon seit einigen Jahrhunderten wird Saatgut mit chemischen Wirkstoffen behandelt, um Erträge zu sichern und Ernteausfällen vorzubeugen. Als Alternative zur Beizung von Saatgut mit Fungiziden entwickelten wir am Fraunhofer FEP ein Verfahren zur Elektronenbehandlung von Saatgut. Gemeinsam mit den Saatgutproduzenten BayWa AG und CERAVIS AG gelang auch die Langzeiterprobung mit unabhängigen Prüfeinrichtungen. Bei der Elektronenbehandlung treffen Elektronen auf die Oberfläche der Samenschalen und bekämpfen hier Schaderreger wie Pilze, Sporen, Bakterien oder Viren. Das behandelte Produkt weist keinerlei Rückstände vom Behandlungsverfahren auf. Da diese Methode nachweislich unschädlich für das Saatgut ist, ist die Elektronenbehandlung sehr gut für die Behandlung von Bio-Saatgut geeignet.

2. Ist es nicht ein Widerspruch, Saatgut für den ökologischen Landbau überhaupt zu behandeln?

Überhaupt nicht. Jeder Landwirt sollte auch beim ökologischen Landbau mit bestmöglichen Mitteln sicherstellen können, hohe Erträge zu erzielen, solange das mit dem Verständnis von „Bio-Landwirtschaft“ vereinbar ist. Bei der Elektronenbehandlung ist das ganz klar der Fall: es verbleiben ja keine Rückstände auf dem Saatgut, die dann in die Umwelt abgegeben oder vom Anwender aufgenommen werden könnten. Abgesehen davon ist die rechtliche Betrachtung einfach – sie lässt die Elektronenbehandlung auch für Bio-Saatgut zu.

3. Ihre Meinung: Bleibt Bio in Zukunft eine Nische oder wird es eventuell sogar zum Standard in der Ernährung/Produktion?

 

In den letzten Jahren achten Verbraucher immer mehr auf den Zusammenhang zwischen biologischem Landbau und einer gesunden Umwelt. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt auch deshalb weiter an. Ich gehe daher davon aus, dass sich dieser Trend auch künftig weiter fortsetzen wird. Natürlich hat die konventionelle Landwirtschaft auch weiterhin ihre Berechtigung. Sie stellt die Versorgung von Millionen Menschen sicher und ist dafür auf hohe Produktivität angewiesen. Ich bin überzeugt, dass sie auch zukünftig das Rückgrat der Ernährungsversorgung und Produktion bilden wird. Wir sind deshalb froh, dass die Elektronenbehandlung auch bei der Behandlung von konventionell erzeugtem Saatgut genauso effizient ist wie bei Bio-Saatgut.

Saatgut mit Elektronen reinigen

Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP hat die BayWa AG das E-Pura Verfahren entwickelt. Bei dieser innovativen Behandlungsmethode wird das Saatgut hochwirksam von Krankheitskeimen wie Pilzsporen, Bakterien oder Viren befreit, und zwar nur mit Elektronen, ganz ohne chemische Stoffe. Mithilfe eines Generators wird die gesamte Oberfläche jedes Samenkorns mit Elektronen bestrahlt. Dieses rein physikalische Verfahren ist gemäß den Vorgaben von EU-Öko-Verordnung zulässig und eignet sich sehr gut auch für den ökologischen Landbau. Übrigens: Seit kurzem gehört die Baywa zu den „Bio aus Bayern“-Herstellern und darf Agrarerzeugnisse nach den hohen Anforderungen des Siegels vertreiben. Zur kommenden Herbstsaison bietet das Handelsunternehmen Saatgut für den ökologischen Landbau auch aus eigener Vermehrung an.

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