Agrartrend
Digitalisierung Landwirtschaft

„Am Ende bleibt mehr im Geldbeutel"

Digitale Technologien verändern die Landwirtschaft grundlegend. Ein Gespräch mit dem BayWa Vorstandsvorsitzendem Prof. Klaus Josef Lutz über die Chancen dieser Entwicklung.

Ich betrachte diesen Veränderungsprozess als eine revolutionäre Evolution. Der Landwirt wird immer mehr zu einem High-Tech-Manager. Precision Farming, Smart Farming, Next Farming, all das sind Entwicklungen, durch die er seine Produktion, seine Kosten und seinen Ertrag optimieren kann. Allerdings stehen wir noch am Anfang. Allein die flächendeckende Verbreitung des Internets auf dem Land, das derzeit noch nicht überall funktioniert, muss in den nächsten Jahren in Deutschland noch lückenloser werden. Es gibt noch viel zu tun, deswegen spreche ich auch von einer Evolution.

Ja, es kommt nur darauf an, dass sie sehen, was sie letztlich wirklich davon haben. Es bringt nichts, abstrakte Diskussionen über Software-Packages, Hardware-Tools und ähnliches zu führen. Zumal dies große, finanziell hohe Investitionen sind. Wichtig ist, dem Landwirt zu vermitteln, wie ihm ein Produkt konkret im Alltag weiterhilft. Hier hat jeder andere Bedürfnisse, andere Sorgen, andere Wünsche. Hat er eine Milchwirtschaft oder Ackerbau oder einen Mischbetrieb? Wir müssen also ganz individuell auf jeden Landwirt eingehen.

Einer meiner Nachbarn ist ein sehr gutes Beispiel für diesen Lernprozess. Erst kürzlich haben wir über das Thema gesprochen, als er meinte, digitale Technik würde ihm nicht wirklich helfen. Nur wenige Tage später habe ich gesehen, wie er sein Feld düngte und mit seinem Schlepper einen Teil des Düngers auf dem Kiesweg für Spaziergänger nebenan verlor. Mit einem Sensor für teilflächenspezifische Aussaat wäre das nicht passiert, das habe ich ihm auch gesagt. Gerade die punktgenaue Streuung hat so viele positive Effekte. Weniger Saatgut, effizienterer Einsatz, und am Ende mehr im Geldbeutel.

Schauen Sie, in meinen Vorlesungen an der TU in Weihenstephan stehe ich nur noch Studenten gegenüber, die vor sich den Laptop geöffnet am Tisch haben. Junge Leute verfügen über einen ganz anderen Zugang zur Technologie. Und doch bin ich überzeugt, dass alle, auch die älteren Landwirte, von den Fortschritten der Digitalisierung begeistert sind, wenn sie sehen, wie sie selbst auf ihrem Hof davon profitieren können.

Die Landwirtschaft wird noch technologisierter, und der Landwirt selbst wird noch mehr Unternehmer sein. Vieles wird automatisiert ablaufen und dem Landwirt das Leben erleichtern. Wissen Sie aber, was ich mir nicht vorstellen kann?

Dass der Landwirt sein Feld und seinen Stall nur noch per Touchpad vom Wohnzimmer aus steuert. Ein Landwirt ohne Empathie für seinen Beruf wird weder mit noch ohne Technik bestehen können. Er wird immer verstehen müssen, was in seinem Boden passiert, und ein Gefühl dafür haben, was er produziert. Dass ein Landwirt durch die Digitalisierung emotional entkoppelt wird, das wird und darf es nicht geben. Ohne den unmittelbaren Bezug und das Gespür für die Natur geht es nicht.

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